Liao Huanxing [1895-1964] – China | Deutschland | Russland
Lebensgeschichten
Laura Frey, 2024
Der chinesische Kommunist Liao Huanxing wurde 1895 in Hengyang in der Provinz Hunan geboren und trat im Alter von 27 Jahren in die neu gegründete Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) ein. Von 1922 bis 1928 lebte er in Berlin, wo er unter anderem als Sekretär des Vertretungsbüros der Nationalen Volkspartei Chinas – Kuomintang (KMT) arbeitete. Durch seine guten Deutschkenntnisse schloss er schnell Kontakt zu deutschen Kommunist*innen. Liao wurde eine zentrale Figur des Brüsseler Kongresses der Liga gegen koloniale Unterdrückung und arbeitete danach als Leiter der Chinesischen Nachrichtenagentur.
Nachdem ein Streit mit dem kommunistischen Verleger Willi Münzenberg eskalierte, ging er mit seiner Familie nach Moskau. Dort wurde Liao gemeinsam mit seiner Frau, der deutschen Arbeiterin Dora Liao-Dombrowski, während der stalinistischen Verfolgung und Ermordung von als politisch „unzuverlässig“ geltenden Menschen, 1938 verhaftet und zu Strafarbeit in sibirischen Lagern verurteilt. Liao starb 1964 nach seiner Rückkehr nach China.
Sein Leben widmete er als „Berufsrevolutionär“ dem antikolonialen und antiimperialistischen Kampf im Dienste der Kommunistischen Internationale (Komintern). Liaos Biografie steht paradigmatisch für den Aufstieg und Niedergang der internationalen antikolonialen Netzwerke im Berlin der 1920er Jahre.
Contact: laura.frey(at)posteo.de
Weblinks: Instagram: @_laurafrey_
Special Thanks: In Erinnerung an Dagmar Yu-Dembski (1943-2023).
References:
Belogurova, Anna: China, Anti-imperialist Leagues, and the Comintern (1926–1937): Visions, Networks, and Cadres, in: Stolte, Carolien / Louro, Michele / Streets-Salter, Heather u. a. (Ed.): The League Against Imperialism: Lives and Afterlives, 2020, p. 135–158.
Kampen, Thomas: Chinesen in Europa – Europäer in China: Journalisten, Spione, Studenten, 2010.
Krüger, Joachim: A regular Chinese Voice from Berlin to Moscow. The China-information of Liao Huanxing, 1924-1927, in: Leutner, Mechthild / Felber, Roland / Titarenko, M.L. u. a. (Ed.): The Chinese Revolution in the 1920s. Between triumph and desaster, 2002, p. 177–183.
Li, Weijia: China und China-Erfahrung in Leben und Werk von Anna Seghers, 2011.
Petersson, Frederik: The League Against Imperialism and the Comintern, 1925-1933, 2013.
Studer, Brigitte: Die Reisenden der Weltrevolution. Eine Globalgeschichte der Kommunistischen Internationale, 2020.
Stationen
Aufwachsen
Studium in Wuhan und Eintritt in die Kommunistische Partei Chinas
Berliner Jahre
Repräsentant der Nationalen Volkspartei Chinas – Kuomintang (KMT)
„Hände Weg von China“ und die drohende Ausweisung
Die Gründung der Liga gegen koloniale Unterdrückung
Internationaler Kongress gegen koloniale Unterdrückung und Imperialismus
Die Chinesische Nachrichtenagentur
Ein Streit eskaliert - Neuanfang in Moskau
„Liau Han-tschi“ als literarische Figur