Kolonialwissenschaften - Leipziger Forschungsinstitutionen und ihre Geschichten – Deutschland | Nigeria | Tansania
Stadttouren
Emma Schätzlein und Leipzig postkolonial, 2023
Die kolonialen Bestrebungen des Deutschen Reichs förderten Ende des 19. Jahrhunderts eine akademische Beschreibung, Ordnung und Kartierung von Gebieten, Sprachen und Menschengruppen.
In diesem Kontext konnten sich innerhalb weniger Jahrzehnte die Disziplinen Afrikanistik, Arabistik („Orientalisches Institut“), Ethnologie und Geographie als eigenständige Institute an der Universität Leipzig etablieren. Die oft vorurteilsbehaftete wissenschaftliche Beschäftigung trug zur rassistischen Konstruktion des „Fremden“ bei. Indem sich stereotype Vorstellungen über „den Orient“, „Afrika“, und eine rassifizierende Einteilung von Menschengruppen verfestigten, wurde die Abwertung außereuropäischer Kultur zur gesellschaftlichen Norm. Die in den vermeintlich wissenschaftlichen Studien gewonnenen Erkenntnisse konnten zur Verbreitung der Ideologie von einer „weißen Überlegenheit“ und damit zur Rechtfertigung kolonialer Inbesitznahme herangezogen werden.
Auch wenn die koloniale Wissensproduktion durch die Disziplinen selbst seit einigen Jahren kritisch hinterfragt und aufgearbeitet wird, wirkt das Erbe dieser Wissenstradition bis heute nach – auch in Leipzig.
Stationen
Deutsche Morgenländische Gesellschaft
"Orientalisches Institut"
Institut für Afrikastudien
Dr. Modilim Achufusi
Dr. Michael Garba Ashiwaju
Ethnologisches Institut
Der Maji-Maji Krieg
Kolonialzeitliche "Schädelsammlung" an der Universität Leipzig
Institut für Geographie
Leibniz-Institut für Länderkunde