Hamburger Kaufleute im Salpeter-Handel – Deutschland | Chile
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Claudia Chávez de Lederbogen, 2024
Für Hamburger Kaufleute begann Anfang der 1880er Jahre der lukrative Handel mit Salpeter. Auch am Abbau des Minerals waren sie beteiligt. In der Atacama-Wüste befanden sich große Lager an Salpeter, ein aus Natrium- und Kaliumnitrat bestehendes Mineral. Es eignete sich als Düngemittel sowie für die Herstellung von Schießpulver und Sprengstoff.
Vor 1879 gehörte die nördliche Atacama-Wüste zu Bolivien und zu Peru. Beide Länder hatten schon seit den 1850er Jahren Lizenzen an britische und deutsche Unternehmen für den Abbau von Salpeter vergeben, sie strebten eine staatlich regulierte Salpeterproduktion an. Chile verfolgte dagegen eine extrem liberale Politik. Als Peru die Salpeterindustrie weitgehend verstaatlichte und auf ein Handelsmonopol für Salpeter bestand, Bolivien ferner die Exportzölle auf Salpeter erhöhte, kam es von 1879 bis 1884 zum „Salpeterkrieg“ zwischen den drei Ländern. Er führte zur Abtretung der peruanischen Salpetergebiete Arica und Tarapacá im Jahr 1883 an Chile. Bolivien verlor dabei seinen Zugang zum Meer.
Chile wurde somit zum weltweit führenden Produzenten von Salpeter und mehrere Hamburger Kaufleute verlagerten ihre Geschäfte dorthin, nachdem der Handel mit den fast erschöpften Guano-Vorräten aus Peru nicht mehr den gewünschten Profit eingebracht hatte.
Weblink: https://chavez.lederbogen.com
References:
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Cisneros, Renato: „Lamento Boliviano“: Lee la columna Renato Cisneros sobre su última visita a La Paz. El Comercio, 04.08.2024.
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Kresse, Walter: Die Fahrtgebiete der Hamburger Handelsflotte 1824 - 1888. Mitteilungen aus dem Museum für Hamburgische Geschichte, 1972.
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Museo Mineralógico: Salitre Antiguo, 2014.
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Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Projekts „Digitale
Kartographierung der Hamburger Kolonialgeschichte“ verfasst. Das Projekt
ist eine Kooperation zwischen der Stiftung Historische Museen Hamburg,
dem Arbeitskreis HAMBURG POSTKOLONIAL und dem Berliner Verbundprojekt
„Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt“. Es wird gefördert von der
Behörde für Kultur und Medien Hamburg und der Kulturstiftung des Bundes.
Koordination und Redaktion: Anke Schwarzer, 2024
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