Die Maasai auf der Ersten Deutschen Kolonialausstellung 1896 – Tansania | Kenia | Deutschland | Schweiz
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Norman Aselmeyer und Saitabau Lulunken, 2025
Für die Erste Deutsche Kolonialausstellung vom 1. Mai bis zum 15. Oktober 1896 ließ das Auswärtige Amt 106 Menschen in den Kolonialgebieten anwerben und nach Deutschland bringen, um sie dem Berliner Publikum in einer rassistischen „Völkerschau“ zu präsentieren. Unter diesen befanden sich auch 17 Maasai aus Ostafrika: sieben Männer, fünf Frauen und fünf Kinder. Sie waren die ersten Maasai in Europa.
Den Maasai ging am Ende des 19. Jahrhunderts in Europa der Ruf der „edlen“, aber „skrupellosen“ Krieger voraus. Zur Unterhaltung des Berliner Publikums mussten sie auf der Kolonialausstellung in nächtlichen Schauspielen mörderische Angriffe auf andere afrikanische Gruppen mimen, um letztlich von den Europäern zurückgeschlagen zu werden: ein Symbolbild für den Mythos der europäischen „Zivilisierungsmission“. Dieses Schauspiel faszinierte die Besucher*innen offenbar sehr – und auch der deutsche Kaiser fand besonderen Gefallen an den Maasai-Kriegern.
Dieser Beitrag versucht die Geschichte der Maasai-Teilnehmer*innen aus dem ehemaligen „Deutsch-Ostafrika“ auf der Kolonialausstellung nachzuzeichnen – und sucht nach den Spuren, die sie in Europa und Tansania hinterlassen haben.
Contact: norman.aselmeyer@history.ox.ac.uk, saitabau.lulunken@smail.uni-koeln.de
References:
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Zeller, Joachim: Das Deutsche Kolonialhaus in der Lützowstraße, in: van der Heyden, Ulrich / Zeller, Joachim: Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, 2002, S. 84–93
Zimmerman, Angela: Anthropology and Antihumanism in Imperial Germany, 2001.
Ciarlo, David: Advertising Empire. Race and Visual Culture in Imperial Germany, 2011.
Stationen
„Emutai“ – ökologische Desaster
Unfreiheit
Von Old Moshi nach Berlin
Eigensinn
Des Kaisers neue Krieger?
Freiheit
Mbaula* in Berlin
Aneignungen
Was bleibt?