Der Kaufmann Caspar Voght [1752-1839] – Deutschland | USA | Haiti | Guyana
Lebensgeschichten
Meryem Choukri, 2024
Der Hamburger Kaufmann Caspar Voght ist vor allem als Reformer der Armenfürsorge und gut vernetzter Intellektueller bekannt, der den Jenischpark in Klein-Flottbek in Hamburg schuf. Seine Handelstätigkeiten als Kaufmann haben jedoch bislang nur wenig Beachtung erfahren. Und wenn, dann wird lediglich auf Voghts beinahe sprichwörtliches Zitat verwiesen: „Ich war der erste Hamburger Kaufmann, der aus Mokka Kaffee, aus Baltimore Toback, aus Surinam Kaffee, aus Afrika Gummi holte.“
Diese Tour unterzieht den „Mythos Voght“ einer kritischen Betrachtung und vermittelt einen Einblick in seine kolonialen Geschäfte. Insbesondere wird der Frage nachgegangen, inwieweit Voght am transatlantischen Versklavungshandel beteiligt war. Dabei zeigt sich auch das Zusammenwirken unterschiedlicher Kolonialsysteme um 1800 und die Beteiligung des Hamburgischen und Altonaer Bürgertums daran.
Ein paar Eckdaten: Nach dem Tod seines Vaters Senator Caspar Voght senior übernahm Caspar Voght junior 1781 das väterliche Handelshaus, gemeinsam mit seinem dort bereits tätigen Freund Georg Heinrich Sieveking. Sie benannten das Handelshaus Voght & Co. 1788 auch offiziell in Voght & Sieveking um. Die Hamburger Wirtschaft erlebte ein Hoch in den 1780er Jahren, da sie nach der Amerikanischen Revolution nun auch unabhängig von England direkten Handel mit den jungen USA treiben konnte. 1793 zog sich Caspar Voght offiziell aus dem Handelshaus zurück, führte jedoch die ertragreichen Geschäfte mit Nordamerika selbstständig weiter. 1799 starb Sieveking unerwartet. Die Handelskrise in jener Zeit sowie die Napoleonische Kontinentalsperre zwischen 1806 und 1814 veranlassten schließlich auch Voght zur Aufgabe seiner Geschäfte.
Contact:
meryem.choukri@mailbox.org
Special Thanks:
Danke an Hannimari Jokinen, Julian zur Lage sowie an die Kolleg*innen der Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH), insbesondere Nicole Tiedemann-Bischop, Kerstin Petermann, Dominik Hünniger, Tanja Aminata Bah & Lisa Miller für die Unterstützung während der Recherchen und die wertvollen Hinweise!
Quotes:
Sieveking, Georg Herman: Kleine Studien über Caspar von Voght. VI. Selbstbekenntnisse Caspars von Voght, in: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte 20, 1901, S. 394-397, hier S. 396.
References:
Ahrens, Gerhard: Caspar Voght und sein Mustergut Flottbek. Englische Landwirtschaft in Deutschland am Ende des 18. Jahrhunderts, 1969.
Czech, Hans-Jörg / Petermann, Kerstin / Tiedemann-Bischop, Nicole (Hrsg.): Caspar Voght (1752–1839). Weltbürger vor den Toren Hamburgs, 2014.
Sieveking, Heinrich: Das Handelshaus Voght & Sieveking. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 17 (1912), S. 54-128.
Schoell-Glass, Charlotte (Hrsg.): Caspar Voght. Lebensgeschichte, 2001.
von Mallinckrodt, Rebekka / Lentz, Sarah / Köstlbauer, Josef (Hrsg.): Beyond Exceptionalism – Traces of Slavery and the Slave Trade in Early Modern Germany, 1650–1850, 2021.
Woelk, Susanne: Der Fremde unter den Freunden. Biographische Studien zu Caspar Voght, 2000.
zur Lage, Julian: Die Hochphase des deutschen Versklavungshandels. Akteure aus dem Raum Hamburg und ihre globalen Netzwerke um 1800, in: Zeitschrift für Historische Forschung 49, 2022, S. 665-694.
Archives:
The National Archives (UK), Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (Campe Sammlung), Staatsarchiv Hamburg
Weblinks:
Zur Lage, Julian: Verhinderte Versklaver, 2024.
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Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Projekts „Digitale Kartographierung der Hamburger Kolonialgeschichte“ verfasst. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Stiftung Historische Museen Hamburg, dem Arbeitskreis HAMBURG POSTKOLONIAL und dem Berliner Verbundprojekt „Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt“. Es wird gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg und der Kulturstiftung des Bundes.
Koordination und Redaktion: Anke Schwarzer, 2024
Stationen
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