Das lange Jahrhundert der Befreiung – Deutschland | Island | Dänemark | US Virgin Islands
Lebensgeschichten
Hannimari Jokinen, 2024
„Clear the road, let the slaves pass / We are going for our freedom / We donʻt want any bloodshed / oh give us freedom“. Dieses Lied war 1848 zu hören, als 8.000 Menschen sich ihren Weg durch Frederiksted auf der dänisch kolonisierten Karibikinsel St. Croix bahnten. Wiederholt hatten Versklavte dort Widerstand geleistet. Dieser Aufstand führte schließlich zu ihrer Befreiung.
Dänemark hatte als erste Kolonialmacht 1792 den Menschenhandel verboten. Der Grund hierfür dürfte weniger in humanistischen Idealen als im kaufmännischen Kalkül gelegen haben. Doch das Handelsverbot wurde nur halbherzig umgesetzt; zudem blieb der Besitz von versklavten Menschen weiterhin erlaubt. Und ebenso halbherzige Reformen auf den Plantagen halfen kaum, die harten Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Unsicher war der rechtliche Status der Unfreien, die aus der Karibik und anderen kolonisierten Gebieten nach Hamburg verschleppt wurden. Gemälde und Schriften zeugen von ihrer Präsenz in den Herrenhäusern, wenn auch von ihnen nur wenige biografische Spuren zu finden sind, wie etwa vom kurzen Aufenthalt eines versklavten Jungen im Haus des Kaufmanns Jan Tecker Gayen in der Klopstockstraße 2-21.
Der Text beleuchtet den Befreiungskampf der Versklavten in und aus den von Dänemark kolonisierten Karibikinseln sowie den heutigen Umgang mit den Spuren dieser Geschichte.
Website:
Special thanks:
Liz Adams, Tanja Bah, Annika Bärwald, Dr. Tatjana Ceynowa, Meryem Choukri, Marie Møller Christensen, Birgit Delius, Sarah Giersing, Wibeke Haldrup, Mathias Hattendorff, Dr. Stefan Kleineschulte, Tyge Krogh, Dr. Sarah Lentz, Dr. Maike Manske, Sigurdur Tómasson (Nachkomme von Hans Jonathan), Gisli Palsson, Elke Petter, May-Britt Raarup Bundsgaard, Bernd Reher, Elke Schneider, Tendai Sichone, Frauke Steinhäuser, Dr. Nicole Tiedemann-Bischop, Gordon Uhlmann, Catharina Winzer
Quotes:
„Clear the Road“, Carisosong, St. Croix 1848. [23.8.2024]
References:
Bärwald, Annika: Black Hamburg: People of Asian and African Descent Navigating a Late Eighteenth- and Early Nineteenth-Century Job Market, in: Mallinckrodt, R. von / Köstlbauer, J. / Lentz, S.: Beyond Exceptionalism, Traces of Slavery and the Slave Trade in Early Modern Germany, 1650–1850, 2021, S. 189-214.
Bärwald, Annika: European Port Cities and the Black Atlantic: On the Potential of Transnational Meso Histories, Yearbook of Transnational History 7, 2024, S. 67-71.
Marchthaler, Hildegard von: Die Gayen und ihre Firma Jan Tecker Gayen – Reederei in Altona seit 1790, 1955.
Steinhäuser, Frauke: Gayens Weg, in: Kolonialakteure, 2015. [23.8.2024]
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Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Projekts „Digitale Kartographierung der Hamburger Kolonialgeschichte“ verfasst. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Stiftung Historische Museen Hamburg, dem Arbeitskreis HAMBURG POSTKOLONIAL und dem Berliner Verbundprojekt „Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt“. Es wird gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg und der Kulturstiftung des Bundes.
Koordination und Redaktion: Anke Schwarzer, 2024
Stationen
Schwarze Bedienstete in den Herrenhäusern in Hamburg und im Umland
Antikolonialer Widerstand auf den dänisch-kolonisierten Karibikinseln
Die Hamburger Zivilgesellschaft entfernt eine Menschenhändler-Büste
„Oh give us freedom“ – Emilia Regina und Hans Jonathan
Hans Jonathans Haus