[Re]präsentationen

Dekoloniale Ausstellungen in Kooperation mit Berliner Museen

In den Jahren 2021 bis 2024 wird eine Reihe von Ausstellungen realisiert, die sich in unterschiedlichen Stadtbezirken mit Berlins Kolonialgeschichte und ihren Nachwirkungen bis in unsere Gegenwart befassen. Institutionelle Partner der Initiative sind hierbei insbesondere Bezirksmuseen mit ihrer charakteristischen Offenheit für ein lokal verankertes zivilgesellschaftliches Engagement. Bei der Konzeptionierung und Durchführung der Vorhaben sollen die Erfahrungen von Kuratorinnen, Wissenschaftlerinnen und Künstlern mit eigenen biografischen Bezügen zur Kolonialgeschichte in besonderer Weise zur Geltung kommen.

Ausstellungsraum »zurückgeschaut« in Treptow
Ausstellungsraum »zurückgeschaut« in Treptow

2023

Solidarisiert euch!

Schwarzer Widerstand und globaler Antikolonialismus in Berlin 1919-1933

Das Projekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt und das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf zeigen ab dem 15. September 2023 die gemeinsame Ausstellung »Solidarisiert euch! Schwarzer Widerstand und globaler Antikolonialismus in Berlin 1919-1933« in der Villa Oppenheim. Die Ausstellung versteht sich als Beitrag zur Dekolonisierung der Stadtgeschichte und setzt den Fokus auf Akteur*innen aus den ehemals deutschen Kolonien in Afrika und auf Schwarze Bewegungsgeschichte.

Im politischen Kräftefeld der Weimarer Republik, zwischen dem Ende von Monarchie und Kolonialherrschaft, dem Aufbruch des kommunistischen Internationalismus und dem Aufstieg der Nationalsozialisten wird Berlin zur postkolonialen Metropole in einer weitgehend kolonialen Welt: Migrant*innen aus Deutschlands aberkannten Kolonien in Afrika leben bereits hier. Nun wird die Stadt auch zum Anziehungspunkt für zahlreiche Akteur:innen aus dem nordafrikanischen, asiatischen und arabischen Raum.

Im politischen Kräftefeld der Weimarer Republik, zwischen dem Ende von Monarchie und Kolonialherrschaft, dem Aufbruch des kommunistischen Internationalismus und dem Aufstieg der Nationalsozialisten wird Berlin zur postkolonialen Metropole in einer weitgehend kolonialen Welt: Migrant*innen aus Deutschlands aberkannten Kolonien in Afrika leben bereits hier. Nun wird die Stadt auch zum Anziehungspunkt für zahlreiche Akteur:innen aus dem nordafrikanischen, asiatischen und arabischen Raum.

Aus verschiedenen kolonialen Kontexten stammend werden sie politisch aktiv, bilden antikoloniale Bündnisse, fordern Unabhängigkeit für ihre Herkunftsländer, leisten Widerstand gegen Rassismus. Obwohl sich die Motive und Umstände ihrer Aufenthalte unterscheiden, entstehen Momente der Solidarität, die von der Ausstellung sichtbar gemacht werden. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Kommunistische Internationale (Komintern), die eine gemeinsame politische Sprache und finanzielle Ressourcen zur Verfügung stellt.

Das antikoloniale Berlin dieser Ausstellung ist eigensinnig, revolutionär und flüchtig. Mehr als dreißig Akteur:innen, deren Lebenswege sich hier kreuzten, werden vorgestellt. “Solidarisiert euch!” zeichnet nach, welche Reibungsflächen und Ankerpunkte ihre Initiativen im städtischen Alltag hatten und wie sie als globale Bewegung zugleich weit darüber hinaus wirkten.

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Museum Charlottenburg-Wilmersdorf sowie den afrodiasporischen und dekolonialen Organisationen des Projektverbundes Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt. Die Gestaltung erfolgt durch Studio visual intelligence.

Die Ausstellungseröffnung findet am 14.9.2023 um 18:30 in der Villa Oppenheim statt. Geplant sind Grußworte der Kurator*innen, Gespräche mit Nachfahr*innen der historischen Akteur*innen sowie musikalische Beiträge von »The String Archestra« unter der Leitung von Dr. Dr. Daniele G. Daude. Die Ausstellungseröffnung ist außerdem der Auftakt des Dekoloniale Festival 2023.


Eröffnung: 14. September 2023, 18.30 Uhr

Laufzeit: 15. September 2023 - 17. März 2023

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 10 - 17 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage 11 - 17 Uhr

Der Eintritt ist kostenfrei.

Ort: Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim, Schloßstraße 55 / Otto-Grüneberg-Weg, 14059 Berlin

Ausstellung »Solidarisiert Euch!«
Ausstellung »Solidarisiert Euch!«

2022

Trotz allem

Migration in die Kolonialmetropole Berlin

Das FHXB Museum und das Modellprojekt »Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt« zeigen ab dem 21. Oktober 2022 die gemeinsame Ausstellung »TROTZ ALLEM: Migration in die Kolonialmetropole Berlin«. Die Ausstellung geht Projekten, Debatten und Politiken der Migration in die Kolonialmetropole Berlin nach. Im Mittelpunkt stehen die komplexen Lebensrealitäten und Widerständigkeiten von Menschen, die im Zuge des Kolonialismus trotz rassistischer Benachteiligung und Ausgrenzungen in die Stadt kamen und zu Berliner:innen wurden.

Als imperialer Staat entwickelte sich das Deutsche Reich bereits im späten 19. Jahrhundert zur Migrationsgesellschaft. Obwohl Einwanderung aus kolonialisierten Regionen nicht vorgesehen war, kamen Menschen nach Berlin – insbesondere aus den deutschen Kolonien. Für diese Migrant:innen gab es keine einheitlichen Regelungen zum Aufenthaltsrecht oder zur Staatsangehörigkeit; viele verstanden sich jedoch als Reichsangehörige. Doch ohne deutsche Staatsbürgerschaft waren sie von behördlicher Willkür abhängig und stets von Ausweisung bedroht. Trotzdem blieben manche, bauten sich hier ein Leben auf und wurden Teil der Berliner Gesellschaft. Die Ausstellung geht ihren Geschichten, Lebensrealitäten und Widerständigkeiten nach und verdeutlicht zudem, dass Berlin schon vor und auch nach Deutschlands formaler Kolonialherrschaft von 1884 bis 1919 eine Kolonialmetropole und Migrationsgesellschaft war.

Das FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum und das zivilgesellschaftlich getragene Projekt »Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt« haben für diese Ausstellung zusammen geforscht, debattiert und gestaltet. Die Beteiligten regen einen neuen Blick auf Berlin an, Kolonialismus und Migration als untrennbare Bestandteile unserer Geschichte und Gegenwart zu begreifen.

Eröffnung am 20. Oktober 2022

Die Freundinnen Ejanga Egiomue und Magdalene „Leni“ Garber um 1939
Die Freundinnen Ejanga Egiomue und Magdalene „Leni“ Garber um 1939

2021

zurückgeschaut I looking back

Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow

Die Museen Treptow-Köpenick und das Projekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt zeigen seit dem 15. Oktober 2021 die grundlegend überarbeitete Ausstellung zurückgeschaut I looking back - Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow. Es ist die erste Dauerausstellung zu Kolonialismus, Rassismus und Schwarzem Widerstand in einem Berliner Museum.

Vom 1. Mai bis 15. Oktober 1896, fand im Treptower Park die „Erste Deutsche Kolonialausstellung“ statt. An der Großveranstaltung waren Politik, Wirtschaft und Kirchen sowie ethnologische und naturwissenschaftliche Museen beteiligt. Im Rahmen einer diskriminierenden „Völkerschau“ wurden 106 Menschen aus den deutschen Kolonien vor einem Millionenpublikum zur Schau gestellt. Den meisten Teilnehmenden war nicht bewusst, dass sie in Berlin „ausgestellt“ werden sollten, um rassistische Stereotype und Kolonialfantasien zu bedienen. Viele von ihnen wehrten sich gegen die ihnen zugewiesene Rolle: Kwelle Ndumbe aus Kamerun kaufte sich ein Opernglas und schaute auf das Publikum in Berlin zurück. Die Kolonialausstellung von 1896 ist ein zentrales Ereignis der Globalgeschichte Berlins und von besonderer Bedeutung für die Geschichte seiner Schwarzen Community.

Die Dauerausstellung „zurückgeschaut | looking back“ widmet sich der Geschichte und den Nachwirkungen der Ersten Deutschen Kolonialausstellung. Im Fokus stehen die 106 Kinder, Frauen und Männer aus Afrika und Ozeanien, ihre Biographien und ihr Widerstand. Zudem werden die Struktur der Kolonialausstellung und deren historischer Kontext verdeutlicht. Die neue Ausstellung ist das Ergebnis einer engen Kooperation zwischen den Museen Treptow-Köpenick und den afrodiasporischen und dekolonialen Organisationen des Projektverbundes Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt. Die Neugestaltung von zurückgeschaut | looking back erfolgte durch Studio visual intelligence.

Das Museum Treptow befindet sich in der 2. Etage des historischen Rathaus Johannistahl, Sterndamm 102, 12487 Berlin.

Anmeldung zu öffentlichen Führungen: museum@ba-tk.berlin.de

Öffnungszeiten: https://www.berlin.de/museum-t...

Am 15.10.2021 fand die Ausstellungseröffnung statt. Diese inkl. eine digitale Führung durch die Ausstellung können Sie sich hier ansehen (ganz unten): https://www.dekoloniale.de/de/...

Ausstellung »zurückgeschaut«
Ausstellung »zurückgeschaut«
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