Vom Versklavten zum Fürstendiener: Yonga [ca. 1751-1798] – Ghana | Antigua | Barbuda | Großbritannien | Deutschland
Lebensgeschichten
Bärbel Sunderbrink, 2024
Etwa zwölf Millionen afrikanische Menschen wurden seit dem 16. Jahrhundert vor allem in die Karibik, nach Brasilien und in die Südstaaten der USA verschleppt, um auf den dortigen Plantagen Zwangsarbeit zu leisten. Aber auch nach Europa wurden Versklavte gebracht, denn Menschen afrikanischer Herkunft, darunter Kinder und Jugendliche, galten Adelshäusern und wohlhabenden Bürgern als Statussymbole. Im deutschsprachigen Raum lebten zwischen 1600 und 1800 mindestens 380 Schwarze Menschen.
Selten ist die Geschichte eines Versklavten so gut dokumentiert, wie die des aus Westafrika kommenden Yonga, der 1765 als etwa 14-Jähriger in London von einem Deutschen gekauft worden war. Als er 1789 als Leibdiener an den Hof des Fürsten zur Lippe in Detmold kam und dort als freier Mann leben konnte, versuchte er in einem beispiellosen Prozess gegen seinen ehemaligen „Herrn“, seine Versklavung juristisch aufzuarbeiten. Yonga forderte vor allem die Nachzahlung seines Lohns, der Prozess behandelte dabei aber auch die grundsätzliche Frage der Freiheitsrechte eines Menschen.
Contact: stadtarchiv@detmold.de
Weblinks: stadtarchiv.detmold.de
References:
Bechtel, Wolfgang: Vom Sklaven zum Familienvater. Das Leben des „Kammermohren“ Franz Wilhelm Yonga (1751-1798), in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 84. Bd. 2015, S. 11-35.
Kuhlmann-Smirnov, Anne: Schwarze Europäer im Alten Reich: Handel, Migration, Hof, 2013.
Martin, Peter: Schwarze Teufel, edle Mohren. Afrikaner in Geschichte und Bewusstsein der Deutschen, 2001.
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Koordination und Redaktion: Barbara Frey
Stationen
Yongas Herkunft von der „Goldküste“ in Westafrika
Über die Karibik nach England
„Verkauft“ in London
Taufe in der westfälischen Provinz
Persönlicher Diener wider Willen
Vom Versklavten zum Fürstendiener
Prozess um Lohn und Freiheit
Yongas Ehefrau und Familie