Hamburg: Reichtum durch Peru-Guano – Deutschland | Peru | Namibia
Thementouren
Claudia Chávez de Lederbogen, 2024
Im 19. Jahrhundert gab es zwischen Hamburg und dem 1821 unabhängig gewordenen Peru Handelsbeziehungen, die entscheidend zu Hamburgs Wohlstand beitrugen. Der Rohstoff Guano spielte dabei eine besondere Rolle. Er ist ein organischer Dünger, der aus sonnengetrockneten Exkrementen von Seevögeln, deren Knochen und Eierschalen besteht. Millionen von Seevögeln nisten auf den kleinen, nah an Perus Küste liegenden Guano-Inseln. Ihre Nahrung finden sie in dem großen Fischreichtum des kalten Humboldt-Stromes. Der Begriff Guano (huanu) stammt aus der Quechua-Sprache und bedeutet „Dung“ oder „Mist“.
Es war der Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769 – 1859), der 1802 während seines Aufenthaltes in Peru erste Guano-Proben von den Chincha-Inseln zur Analyse nach Europa schickte. Die Untersuchung ergab, dass sie besonders viel Stickstoff enthielten, mehr als jeglicher bislang in Europa bekannte Dünger.
Die im 19. Jahrhundert beginnende Industrialisierung Europas erforderte steigende Erträge in der Landwirtschaft für die Ernährung der wachsenden Bevölkerung in den Städten. Die Inhaltsstoffe des Peru-Guano – Kalium, Stickstoff- und Phosphorsalze – entsprachen der empfohlenen Düngung der Äcker. Die ab 1840 einsetzende große Nachfrage des Peru-Guanos im globalen Handel führte zum vollständigen Abbau der Guano-Vorräte auf den drei größten Inseln, den Chincha-Inseln, innerhalb von vier Jahrzehnten.
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Special Thanks:
Mein besonderer Dank gilt der Journalistin und Afro-peruanischen Autorin Lucía Charún-Illescas. Ohne ihre Vorarbeit in jahrelangen Recherchen zum Thema, ihrer Ideengebung und Initiative wäre das Projekt „Perú-Guano-Hamburg“ nicht zustande gekommen. Sie ist die Initiatorin.
References:
Charún-Illescas, Lucía / Chávez de Lederbogen, Claudia / Lederbogen, Jan: Peru Guano Hamburg. Wie die Hamburger Schiet zu Geld machten. Cómo los hamburgueses convirtieron el excremento en dinero, 2023.
Humboldt, Alexander von: Amerikanische Reise 1799 –1804, 2009.
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Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Projekts „Digitale
Kartographierung der Hamburger Kolonialgeschichte“ verfasst. Das Projekt
ist eine Kooperation zwischen der Stiftung Historische Museen
Hamburg, dem Arbeitskreis HAMBURG POSTKOLONIAL und dem Berliner Verbundprojekt „Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt“. Es wird
gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg und der
Kulturstiftung des Bundes.
Koordination und Redaktion: Anke Schwarzer, 2024
Stationen
Video: Notizen zu Guano, Peru und Hamburg
Das moderne Kontorhaus der Ohlendorffs
Laeiszhof: Das Kontorhaus des Förderers des Guano-Abbaus in Peru
Arbeitsbedingungen beim Guano-Abbau
Die Guano-Werke der „Schietbarone“
MARKK: Die Holzfigur von der Insel Macabí
Die Villa Mutzenbecher und das Guano-Monopol
Merck und Co.: Handelsfirma, Handelsbank, Transportunternehmen und Düngeproduktionswerk
Der Colonisations-Verein von 1849 in Hamburg
Peru-Guano heute