ACN Nambiar und seine Frau Suhashini Chattopadhyaya.

A.C.N. Nambiar [1896-1986] – Indien | Deutschland | Tschechische Republik | Frankreich

Lebensgeschichten

Ole Birk Laursen, 2024

Der in Kerala geborene indische Aktivist Arathil Candeth Narayanan Nambiar widmete einen Großteil seines Lebens dem Kampf für die indische Unabhängigkeit. In den 1920er Jahren wurde Berlin zu einem wichtigen Zentrum seines Aktivismus. Zunächst arbeitete er mit Kommunist*innen zusammen, floh aber aus Deutschland, nachdem er von den Nationalsozialisten verhaftet worden war. 1942 kehrte er aber in die Stadt zurück. Dieses Mal arbeitete er mit einem anderen Aktivisten zusammen, der im Kampf gegen den britischen Kolonialismus in Indien auch mit dem faschistischen Deutschland und Italien zusammenarbeitete.

Die Biografie des Journalisten und späteren Diplomaten A.C.N Nambiar weist auf die großen internationalen Netzwerke antikolonialer Aktivist*innen und auch die unterschiedlichen politischen Allianzen in diesen Kämpfen hin.

Dieser Text entstand im Rahmen der Kooperationsausstellung „Solidarisiert euch! Schwarzer Widerstand und globaler Antikolonialismus in Berlin 1919–1933“ der Dekoloniale. Erinnerungskultur in der Stadt und des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf im Jahr 2023.

Karte des Flusssystems Rio del Rey

Adda Nkollo: Widerstand von Frauen in „Deutsch-Kamerun“ – Kamerun | Deutschland

Thementouren

Richard Tsogang Fossi, 2024

Die Geschichten von Frauen, die während der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun von 1884 bis 1916 Widerstand gegen koloniale Willkür und Unterwerfung leisteten, sind kaum dokumentiert und sind daher oft unbekannt. Diese Unbekanntheit führt häufig zu der Vorstellung, dass antikolonialer Widerstand rein männlich war und ist.

Tatsächlich finden sich in mündlichen Überlieferungen aber gelegentlich Hinweise auf Frauen: Sie halfen ihren Männern, der Zwangsarbeit zu entgehen, indem sie Lieder sangen oder Reden hielten, um sie zu warnen. Frauen spielten aber auch führende Rollen im Widerstand, wie der Fall von Adda Nkollo zeigt. Adda Nkollo war eine Frau aus Mvog-Ada, die 1907 so erfolgreich Widerstand gegen die deutsche Kolonialverwaltung leistete, dass sie schließlich verbannt wurde.

Ihre Geschichte kann dazu beitragen, die weit verbreitete Unsichtbarkeit von Widerstandskämpferinnen im Kolonialismus zu hinterfragen und die Geschichte des Widerstands weiter zu dokumentieren.

Adolf Bernhard Meyer.

Adolf Bernhard Meyer [1840-1911] und die kolonialen Museumssammlungen in Dresden – Deutschland | Indonesien | Philippinen | Schweiz

Thementouren

Margaret Slevin, 2024

Adolf Bernhard Meyer (geb. 1840 in Hamburg, gest. 1911 in Berlin) war ein deutscher Wissenschaftler, der 30 Jahre lang Direktor des Königlichen Zoologischen und Anthropologisch-Ethnographischen Museums Dresden war. Zwischen 1875 und 1878 gründete er das Ethnographische Kabinett am Königlichen Museum und leitete während seiner Amtszeit die südostasiatischen und pazifischen Sammlungen.

Bereits vor seiner offiziellen Ernennung im Jahr 1874 unternahm er private Forschungsreisen (1870-73) in das Gebiet des heutigen Indonesiens und auf die Philippinen. Während dieser „Expeditionen“ trug er zoologische, anthropologische und ethnologische Sammlungen zusammen, die während seiner Amtszeit vom Königlichen Museum und anderen europäischen Institutionen erworben wurden. Viele der Bestände befinden sich bis heute im Besitz der Nachfolgemuseen.

Trotz seines primären Interesses an zoologischen Forschungen, beteiligte sich Meyer auch intensiv an anthropologischen und ethnographischen Feldforschungen. In der deutschen Wissenschaft des 19. Jahrhunderts bezog sich die Anthropologie vor allem auf die physische Anthropologie - mit dem Ziel, die körperliche Vielfalt des Menschen, insbesondere anhand von Schädelmerkmalen, zu analysieren. Diese Studien dienten dazu, rassistische Theorien zu untermauern.

Die Ethnologie hingegen bezog sich stärker auf die Kulturanthropologie, die sich auf das Studium der materiellen Kultur verschiedener Gruppen konzentrierte. Für Wissenschaftler*innen wie Meyer war es damals üblich, beide Disziplinen zu studieren.

Obwohl Meyers Reisen vor der offiziellen Kolonialzeit Deutschlands (1884-1918) stattfanden, liefern seine Arbeiten wichtige Einblicke in die enge Verflechtung von Kolonialismus und den Wissenschaften Anthropologie und Ethnologie. Sie verdeutlichen, wie wissenschaftliche Konzepte in Europa und den kolonialen Gebieten zirkulierten und wie diese Erkenntnisse sowie die öffentliche Präsentation indigener Gesellschaften die Wahrnehmung der deutschen Gesellschaft prägten - insbesondere jener in Südostasien und im Pazifikraum, die später unter deutscher Kolonialverwaltung stehen sollten.

Andrea Manga Bell, geb. Jiménez, um 1920

Andrea Manga Bell [1902-1985]: Eine Hamburgerin zwischen Berliner Künstlerbohème und Exil in Paris – Kuba | Deutschland | Frankreich

Lebensgeschichten

Holger Tilicki, 2024

Andrea Jimenez Berroa wurde 1902 in Hamburg geboren. Ihre Eltern waren die Hamburgerin Margaretha Filter und der afro-kubanische klassische Pianist José Manuel „Lico“ Jiménez Berroa aus Kuba. Mit 17 Jahren heiratete sie Alexandre Ndumbe Manga Bell, den Sohn des wenige Jahre zuvor von der deutschen Kolonialmacht in Kamerun hingerichteten Duala-Königs Rudolf Manga Bell. Andrea Manga Bell arbeitete später als Zeichnerin und Redakteurin bei der Kunstzeitschrift Gebrauchsgraphik in Berlin, wo sie den Schriftsteller Joseph Roth kennen lernte. Mit ihm zusammen ging sie 1933 ins Exil nach Nizza und Paris. Bis zu ihrem Tod 1985 lebte und arbeitete sie in Frankreich.

In Deutschland ist ihre Geschichte nicht sehr bekannt. Als sich die 1968er-Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland mit der Exil-Literatur während des Nationalsozialismus beschäftigte, blieb das Interesse an ihr auf ihr Verhältnis zu Joseph Roth beschränkt. Erwähnung fand sie nur als Ehefrau eines kamerunischen Politikers sowie als Lebensgefährtin eines bekannten Schriftstellers. Über ihre Leistungen als Grafikerin und Redakteurin, ihren Einfluss auf das Schaffen Joseph Roths sowie ihr Wirken nach 1945 in Paris ist sehr wenig bekannt. Leider gibt es nur spärliche Aussagen von ihr selbst, die öffentlich zugänglich sind.

Ein von der Anti-Apartheid-Bewegung erstellter Button aus Protest gegen die Atomkooperation zwischen Westdeutschland und Südafrika.

Apartheid und Anti-Apartheid: Die deutsche Verbindung – Südafrika | Deutschland

Thementouren

Willow Allen, 2024

Diese Tour erkundet die transnationalen Verflechtungen zwischen dem Apartheidsregime in Südafrika und der ehemaligen BRD und der DDR. Da sich in diesem Jahr das Ende der Apartheid in Südafrika zum 30. Mal jährt, ist es an der Zeit, dass Wissenschaftler*innen, antikoloniale Aktivist*innen und die Öffentlichkeit in Deutschland über die Rolle nachdenken, die der deutsche Staat bei der Unterstützung der Menschenrechtsverletzungen der Apartheid spielte.

Diese Tour beginnt mit einer Betrachtung der Beziehungen zwischen Deutschen und den weißen Afrikaanern vor dem offiziellen Beginn der Apartheid. Danach geht es darum, wie die globalen politischen Allianzen des Kalten Krieges die Art und Weise prägten, wie West- und Ostdeutschland mit der Apartheidregierung umgingen: Es wird beleuchtet, wie westdeutsche Diplomaten und Unternehmen die Apartheid unterstützten und wie Ostdeutschland die Widerstandsbewegung in Südafrika unterstützte. Schließlich wird auch die zivilgesellschaftliche Anti-Apartheid-Bewegung in Westdeutschland betrachtet.

Bebe M'pessa / Louis Brody, 1922

Bebe M’pessa / Louis (Lewis) Brody [1892-1951] – Kamerun | Deutschland

Lebensgeschichten

Robbie Aitken, 2023

Der Kameruner Louis Brody (Bebe M'pessa) war ein bekannter Bühnen- und Filmschauspieler während der Weimarer und der Nazizeit. Obwohl er ein begabter Schauspieler war, wurde die Breite der ihm angebotenen Rollen zunehmend eingeschränkt und er wurde für das deutsche Publikum zur Figur des exotischen Anderen. Gleichzeitig setzte sich Brody aktiv gegen rassistische Darstellungen Schwarzer Menschen ein, indem er sich in mehreren Schwarzen antikolonialen und antirassistischen Organisationen in Deutschland engagierte, darunter der Afrikanische Hilfsverein und später die Liga zur Verteidigung der N*rasse. Sein politischer Aktivismus erstreckte sich auch auf die Schriftstellerei. 1930 spielte er in der von ihm selbst geschriebenen Revue "Sonnenaufgang im Morgenland", die Schwarze Geschichte und Kultur feiern wollte. Brody starb 1951 in Berlin.

Die Initiative „Spurensuche Kolonialer Sprengelkiez“ hat im Oktober 2021 ein Plakat aufgehängt, um die Geschichte hinter der Kiautschoustraße in Berlin-Wedding zu beleuchten.

Berliner Spuren des deutschen Kolonialismus in China und Samoa – China | Samoa | Deutschland

Stadttouren

Charlotte Ming, 2024

Diese Tour zeigt koloniale Straßennamen wie die Kiautschoustraße, den Pekinger Platz und die Samoastraße in Berlin-Wedding und zeichnet das Erbe des deutschen Kolonialismus in Qingdao, Peking und Apia nach.

Obwohl die deutschen Kolonialambitionen nur von kurzer Dauer und weitgehend begrenzt waren, hatten sie tiefgreifende Auswirkungen auf China. Sie beschleunigten den Untergang des chinesischen Kaiserreichs und lösten eine Studierendenbewegung aus, die Chinas Entwicklung veränderte. Auch die Folgen der Niederschlagung der widerständen Yihetuan-Bewegung (1900–1901) durch die „Vereinigten acht Staaten“ sind bis heute in deutschen Museen erkennbar, in denen eine bedeutende Anzahl wertvoller, aus China geraubter Artefakte ausgestellt werden.

In dieser Tour werden auch die Verflechtungen zwischen dem deutschen Einfluss in China und Samoa aufgezeigt. Zentral dafür ist die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der billigen Arbeitskräfte, die den deutschen Kapitalismus vorantrieben.

Die Milch-Mokka-Eisbar „Kosmos“ in Cottbus, ca. 1975.

Cottbus Postkolonial und Postsozialistisch: Ein Stadtrundgang – Deutschland

Stadttouren

Manuel Peters, 2024

Als Stadt mit einer sozialistischen Geschichte hat Cottbus einen besonderen Bezug zur Kolonialgeschichte. Im Unterschied zu vielen westdeutschen Städten wurden etwa koloniale Straßennamen und Denkmäler bereits in den 1950er Jahren ersetzt. Dennoch zeigt sich vielerorts in der Stadt eine fehlende Aufarbeitung des Kolonialismus und der mit diesem in Zusammenhang stehenden Wissensproduktion – historisch und aktuell.

Die im Folgenden im Zentrum stehenden Stationen reichen – immer am Beispiel konkreter Orte – von Praktiken der Kartographie, über das „Sammeln“ von human remains, über die (Nicht-)Erinnerung an die Kolonialkriege, die Beteiligung am Versklavungshandel durch Fürst Pückler, bis zu Alltagsorten der Freizeit, Arbeit und Migration und zu den rassistischen Ausschreitungen im Jahr 1992. Ihnen gemeinsam ist ein Fokus auf spezifische Verflechtungen von Kolonialismus und Sozialismus bzw. auf der Bedeutung dieser Verflechtungen für ein besseres Verständnis von Rassismus in der Gegenwart.

In den einzelnen Stationen geht es um Geschichten, an die bisher wenig erinnert wird. Dass diese Geschichten so wenig präsent sind, mag zeigen, dass sowohl die ehemalige DDR als auch die heutige BRD die Verbindung von Macht und Wissen(schaft) im Kolonialismus nicht konsequent thematisiert und aufgearbeitet haben.

Das ehemalige Marine-Panorama am Lehrter Bahnhof, das ab 1899 das Deutsche Kolonialmuseum beherbergte.

Das Deutsche Kolonialmuseum – Deutschland

Institutionen

Joachim Zeller, 2024

Am heutigen Berliner Hauptbahnhof, dem früheren Lehrter Bahnhof, wurde 1899 das Deutsche Kolonialmuseum eröffnet. Das Ziel des von der Koloniallobby getragenen Museums war es, die „breiten Volksmassen“ für den deutschen Kolonialismus zu begeistern.

Das Museum schloss 1915, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, aus finanziellen Gründen.

Bei diesem Text handelt es sich um einen bearbeiteten Auszug aus dem Buch „Berlin. Eine postkoloniale Metropole.“

Garnisonkirche in Potsdam, um 1920

Das koloniale Erbe der Potsdamer Garnisonkirche – Deutschland | China | Namibia

Institutionen

Tina Veihelmann, 2022

In Potsdam ist der Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche im Gange: ein seit dreißig Jahren umkämpftes Projekt, da die Kirche wie keine andere in Deutschland für die Verbindung von Kirche und Militärgeschichte steht. Im Frühjahr 2020 hat die Stiftung Garnisonkirche ein Konzept für eine Dauerausstellung vorgelegt. Ob die Aktivitäten der Stiftung dem belasteten Erbe der Kirche gerecht werden, ist Gegenstand heftiger Debatten.

Ein Teil dieses Erbes ist das Wirken zweier Pfarrer in der Garnisonkirche im Zusammenhang mit der Niederschlagung des Yìhétuán Yùndòng - der „Bewegung der Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie“ - im sogenannten Boxerkrieg in China und während des Genozids an den Ovaherero und Nama in „Deutsch-Südwestafrika“, dem heutigen Namibia.

Die beiden Geistlichen waren Zeitgenossen. Johannes Keßler, 1865 geboren, war von 1893 an Hofprediger und Garnisonpfarrer in Potsdam. Der ein Jahr ältere Max Schmidt löste ihn 1906 als Garnisonpfarrer und 1908 als Hofprediger ab.

Dieser Beitrag ist entstanden in enger Kooperation mit „Lernort Garnisonkirche“, die zum kolonialen Erbe der Garnisonkirche und dem „Tag von Potsdam“ weitergehende Recherchen angestellt haben.

Die Gebäudezeile an der elbseitigen Klopstockstraße 2-21, im 19. Jahrhundert exklusiver Wohnort der unter anderem durch Branntwein-Exporte in die Kolonien reich gewordenen Familie Gayen.

Das lange Jahrhundert der Befreiung – Deutschland | Island | Dänemark | US Virgin Islands

Lebensgeschichten

Hannimari Jokinen, 2024

„Clear the road, let the slaves pass / We are going for our freedom / We donʻt want any bloodshed / oh give us freedom“. Dieses Lied war 1848 zu hören, als 8.000 Menschen sich ihren Weg durch Frederiksted auf der dänisch kolonisierten Karibikinsel St. Croix bahnten. Wiederholt hatten Versklavte dort Widerstand geleistet. Dieser Aufstand führte schließlich zu ihrer Befreiung.

Dänemark hatte als erste Kolonialmacht 1792 den Menschenhandel verboten. Der Grund hierfür dürfte weniger in humanistischen Idealen als im kaufmännischen Kalkül gelegen haben. Doch das Handelsverbot wurde nur halbherzig umgesetzt; zudem blieb der Besitz von versklavten Menschen weiterhin erlaubt. Und ebenso halbherzige Reformen auf den Plantagen halfen kaum, die harten Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Unsicher war der rechtliche Status der Unfreien, die aus der Karibik und anderen kolonisierten Gebieten nach Hamburg verschleppt wurden. Gemälde und Schriften zeugen von ihrer Präsenz in den Herrenhäusern, wenn auch von ihnen nur wenige biografische Spuren zu finden sind, wie etwa vom kurzen Aufenthalt eines versklavten Jungen im Haus des Kaufmanns Jan Tecker Gayen in der Klopstockstraße 2-21.

Der Text beleuchtet den Befreiungskampf der Versklavten in und aus den von Dänemark kolonisierten Karibikinseln sowie den heutigen Umgang mit den Spuren dieser Geschichte.

Robert Koch in seinem Laboratorium, etwa 1885.

Das Robert Koch-Institut: Medizinische Experimente in den Kolonien – Deutschland | Uganda | Tansania

Thementouren

Joachim Zeller, 2024

Das mit seinem Hauptsitz im Wedding gelegene Robert Koch-Institut (RKI) ist heute eine Bundesbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Als Einrichtung der öffentlichen Gesundheitspflege ist es vor allem seit der Corona-Pandemie des Jahres 2020 auch einer breiten Mehrheit der Bevölkerung bekannt geworden.

Benannt ist das Institut nach Robert Koch (1843-1910), der neben Louis Pasteur als wichtigster Begründer der wissenschaftlichen Bakteriologie gilt. Der Mediziner, Mikrobiologe und Hygieniker kam mit seinen Forschungen zu Milzbrand, der Entdeckung des Choleraerregers, vor allem aber mit der Entdeckung des Erregers der Tuberkulose zu Weltruhm.

Weniger bekannt sind die Verstrickungen Robert Kochs in den (deutschen) Kolonialismus. Wiederholt hatte der in Deutschland auch als Begründer der Tropenmedizin und -hygiene geltende Wissenschaftler darauf verwiesen, dass die die Bekämpfung der Tropenkrankheiten – vor allem der Malaria – „gleichbedeutend sein würde mit der friedlichen Eroberung der schönsten und fruchtbarsten Länder der Erde.“ In seiner Perspektive hegten die Bakteriologie und der Kolonialismus einen gemeinsamen Traum: den der „Beherrschung“ von Krankheiten wie dem „Tropenfieber“.

Bei diesem Text handelt es sich um einen bearbeiteten Auszug aus dem Buch „Berlin. Eine postkoloniale Metropole.“

Dekoloniale Berliner Afrika Konferenz Grafik

Dekoloniale Berliner Afrika-Konferenz 2020 – Berlin, Zentrum, Deutschland

In[ter]ventionen: Festivals

Am 15. November jährte sich der Beginn der Berliner Afrika-Konferenz zum 136. Mal. Anlässlich dieses Datums berief das Projekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt am 15. November 2020 um 14:00 Uhr die Dekoloniale Berliner Afrika-Konferenz ein.

Die Veranstaltung wurde live aus dem Dekoloniale-Projektraum in der Wilhelmstraße 92 in Berlin-Mitte übertragen. Der Projektraum in der Wilhelmstraße 92 liegt zwischen den ehemaligen Standorten der Reichskanzlei und des Auswärtigen Amtes, den damaligen Schauplätzen des Geschehens. In der Reichskanzlei trafen sich 1884 die Gesandten der europäischen Mächte, der USA und des Osmanischen Reichs auf Einladung des Deutschen Reichs und der Republik Frankreich, um sich über die Regeln für die koloniale Aufteilung des Kontinents und damit auch über die Ausbeutung Afrikas zu verständigen.

Während auf der historischen Afrika-Konferenz 19 weiße Männer über vier Monate hinweg ihre kolonialen Interessen auf dem afrikanischen Kontinent in Ausgleich brachten, haben wir nun ein antikoloniales Gremium - bestehend aus 19 Frauen mit afrikanischer Geschichte - einberufen. Die Dekoloniale Berliner Afrika-Konferenz ist zugleich Vorwort und Auftakt von Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt.

Mit dem Team von Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt, Tarik Tesfu und den 19 Konferenzteilnehmerinnen.

Feierliche Eröffnung: Dekoloniale Festival 2022

Dekoloniale Festival 2022 – Berlin, Süden, Deutschland

In[ter]ventionen: Festivals

[De]koloniale Migrationen

Am Donnerstag, dem 1. September 2022 eröffneten wir das Dekoloniale Festival 2022 im Berliner Süden und konzentrierten uns dabei auf die Stadtteile Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Wir starteten auf dem Mariannenplatz und im Studio 1 im Kunstquartier Bethanien und setzten uns mit dem emanzipatorischem und widerständigen Potenzial von [De]koloniale Migrationen in Workshops, Paneldiskussionen, Theater und Performances auseinander. Wie schon in der Zeit zwischen der Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 und der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 sind diese Berliner Stadtteile auch heute durch zahlreiche Netzwerke von Akteur*innen afrikanischer Herkunft geprägt, die trotz ihres bedeutenden Einflusses weder im kollektiven Gedächtnis verankert, noch im öffentlichen Raum sichtbar sind.

Am Freitag, den 2. September kamen wir mit unseren Gästen aus den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika auf dem Mariannenplatz zur Dekolonialen Afrika-Konferenz 2022 zusammen.

Im Zentrum des diesjährigen Festivals standen insbesondere die künstlerischen Arbeiten und urbanen Interventionen der drei Dekoloniale Berlin Residents 2022 sowie auch kolonialmigrantisch bedeutsame Biografien und mit diesen verbundene Orte, die wir im Rahmen einer ganztägigen, dekolonialen Stadttour am Samstag, 3. September, besichtigten.

Am Sonntag, dem 4. September beendeten wir das Dekoloniale Festival 2022 im Austausch mit unseren Partner*innen von Contemporary And (C&), der Berlin Biennale 12 und dem Friedrichshain-Kreuzberg Museum.

Ausstellungseröffnung Kuratorenteam

Dekoloniale Festival Tour 2021 – Berlin, Osten, Deutschland

In[ter]ventionen: Festivals

Das Dekoloniale Festival 2021 verdichtete und reflektierte in künstlerischen und diskursiven Beiträgen die mit dem Dekoloniale-Gesamtprojekt verbundenen Themen. So waren wir in diesem Jahr im Osten Berlins unterwegs: Zwischen dem 15. - 17. Oktober eröffneten wir im Bezirksmuseum Treptow-Köpenick die überarbeitete Dauerausstellung »zurückgeschaut – Die Erste Deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin-Treptow«. Außerdem stellten wir die künstlerischen Interventionen der drei Dekoloniale Berlin Residences 2021 der Öffentlichkeit vor und sprachen darüber, ob und wie eine Dekolonisierung des Museums möglich sein könnte.

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Hinweis: Wenn Sie die Videos mit Untertiteln anschauen möchten, können Sie diese in der unteren Leiste unter »CC« finden, woraufhin Sie die Wahl zwischen deutschen oder englischen Untertiteln erhalten.

Dekoloniale Festival 2022

Dekoloniale Festival Tour 2022 – Berlin, Süden, Deutschland

In[ter]ventionen: Festivals

"[De]koloniale Migrationen" war der Titel des Dekoloniale Festivals 2022, bei dem wir insbesondere die Stadtteile Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg genauer unter die Lupe genommen haben. Wie schon in der Zeit zwischen der Berliner Afrikakonferenz 1884/85 und der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 sind diese Berliner Stadtteile auch heute durch zahlreiche Netzwerke von Akteur*innen afrikanischer Herkunft geprägt, die trotz ihres bedeutenden Einflusses weder im kollektiven Gedächtnis verankert, noch im öffentlichen Raum sichtbar sind.

Gemeinsam mit Vitjitua Ndjiharine (NAM), Maya Alam (D/USA) und Lulu Jemimah – den drei Künstlerinnen der Dekoloniale Residency 2022 – sowie Historiker*innen und Aktivist*innen, die jeweils kurze Inputs gegeben haben, besuchten wir bedeutende historische Orte des antikolonialen Widerstands im Berliner Süden. Im Zentrum des Festivals standen die künstlerischen Arbeiten und urbanen Interventionen der Dekoloniale Berlin Residents 2022, sowie Orte von kolonialmigrantischen Biografien, die wir im Rahmen eines ganztägigen, dekolonialen Stadtspaziergangs besichtigt und historisch eingeordnet haben.

Mit: Kwesi Aikins, Dr. Robbie Aitken, Maya Alam, Dr. Imani Tafari Ama, Judith Bauernfeind, Lulu Jemimah, Christian Kopp, Philipp Kojo Metz, Vitjitua Ndjiharine, Maresa Pinto, Anna Yeboah u.v.m.

Dekoloniale Stadttour 2023

Dekoloniale Festival Tour 2023 – Berlin, Westen, Deutschland

In[ter]ventionen: Festivals

Das Dekoloniale Festival 2023 blickte vom 14. bis zum 17. September vor allem auf die Stadtteile Charlottenburg-Wilmersdorf im Berliner Westen. Das Festival eröffnete mit der Vernissage der Kooperationsausstellung »Solidarisiert euch! Schwarzer Widerstand und globaler Antikolonialismus in Berlin, 1919-1933« mit dem Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim. Zudem präsentierte das Dekoloniale Festival die Konferenz »Bandung Revis[it]ed« und die Ausstellung »AGITP[R]OP!« der Dekoloniale Berlin Residency 2023 im BHROX bauhaus reuse. Im Rahmen der Dekoloniale Stadttour wurden historische und zeitgenössische Orte besucht und von Expert*innen an den Schnittstellen aus Wissenschaft, Kunst und Aktivismus kontextualisiert.

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Dekoloniale Festival Tour 2024 – Berlin Mitte-Nord, Deutschland

Stadttouren

Das Dekoloniale Festival fand in diesem Jahr vom 14. bis 17. November 2024 in den Berliner Stadtteilen Mitte und Wedding statt. Am 16. November organisierte das Festival – wie jedes Jahr – die ganztägige Dekoloniale Stadttour mit zahlreichen spannenden historischen und aktuellen Stationen. Begleitet wurde die Tour von Interventionen eingeladener Expert*innen an den Schnittstellen von Wissenschaft, Kunst und Aktivismus.

Das Brinkmann-Mosaik in der Eingangshalle des Bremer Hauptbahnhofs.

Dekoloniale Tour durch Bremens Bahnhofsvorstadt und Schwachhausen – Deutschland

Stadttouren

Decolonize Bremen, Olan Scott Pinto und Kim A. Ronacher, 2024

In Bremen lassen sich nicht nur anhand von Straßennamen und Museen, sondern auch an Geschäften und Häuserfassaden koloniale Kontinuitäten ausmachen. Die Tour vom Stadtteil Schwachhausen in die zentral gelegene Bahnhofsvorstadt verhandelt die koloniale Vergangenheit dieser Erinnerungsorte und stellt Gegenwartsbezüge zu herrschenden Ungleichverhältnissen her.

Sie besucht Straßen, die nach kolonialen Akteur*innen benannt wurden, welche in wirtschaftlicher oder ideologischer Hinsicht wesentlichen Einfluss auf die koloniale Geschichte genommen haben. Thematisiert wird auch die koloniale Vergangenheit eines bundesweit bekannten Unternehmensverbundes. Schließlich wird die enge Verknüpfung von Kunst, Handel und Kolonialismus aufgezeigt, die im stadtgeschichtlichen Diskurs noch zu wenig kritische Aufmerksamkeit erfährt, um von einer postkolonialen Auseinandersetzung sprechen zu können.

Dekoloniale [Re]visionen

Dekoloniale [Re]visionen: Restitution, afrikanische Erinnerungskulturen und das "Neue Museum" – Wilhelmstraße 92, Berlin, Deutschland

[Re]visionen: Diskurse

Statements aus der afrikanischen Zivilgesellschaft, 2021

In dieser zweiten Edition der Dekoloniale [Re]visionen Denkwerkstatt widmen wir uns der langen Geschichte und neuen Gegenwart von Restitutionsforderungen: Wie gestalten sich zeitgenössische, afrikanische Erinnerungskulturen in Abwesenheit ihrer kulturellen und sakralen Objekte und menschlichen Gebeine aus kolonialen Kontexten? Wie (radikal) muss das Museum als Institution neu gedacht werden? Wie kann dieses ›Neue afrikanische Museum‹ zum lebendigen Ort des Polylogs, des Gedenkens und des Ausstellens – unter zivilgesellschaftlicher Beteiligung werden?

George Padmore, ca. 1940

Der berühmte Panafrikanist und antikoloniale Aktivist George Padmore [1902-1959] – Trinidad | USA | Russland | Deutschland | Frankreich | Großbritannien | Ghana

Lebensgeschichten

Hakim Adi, 2024

In den 1930er Jahren war Hamburg für drei bedeutende Jahre der Sitz des International Trade Union Committee of Negro Workers (ITUCNW). Sein Sekretär George Padmore wurde zu einem der bekanntesten antikolonialen Aktivisten seiner Zeit und später auch zu einem der prominentesten Panafrikanisten. Hamburg war nicht nur Hauptsitz des ITUCNW, sondern auch der Ort der erstenInternational Conference of Negro Workers – ein fast vergessenes, aber äußerst wichtiges panafrikanisches Ereignis, das 1930 in der Stadt stattfand. Die Konferenz stand unter der Schirmherrschaft der Roten Internationalen der Arbeitergewerkschaften (RILU). Diese Gewerkschaftsorganisation gehörte zur Kommunistischen Internationale und wurde auch häufig als Profintern bezeichnet.

Dieses Hamburg war nicht nur die Heimat von Ernst Thälmann, dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands, sondern auch ein Zentrum, das die Mobilisierung der Arbeiter*innen in ganz Afrika und in der Diaspora für ein Ende der Kolonialherrschaft, des Rassismus und des imperialistischen Staatensystems vorantrieb.

Padmore wurde in Trinidad geboren, doch seine politischen Aktivitäten, die in den USA begannen, führten ihn auch nach Moskau, Paris, London und Manchester. Seinen Lebensabend verbrachte er in Accra, der Hauptstadt des unabhängigen Ghanas.

Der Kaufmann Caspar Voght um 1801

Der Kaufmann Caspar Voght [1752-1839] – Deutschland | USA | Haiti | Guyana

Lebensgeschichten

Meryem Choukri, 2024

Der Hamburger Kaufmann Caspar Voght ist vor allem als Reformer der Armenfürsorge und gut vernetzter Intellektueller bekannt, der den Jenischpark in Klein-Flottbek in Hamburg schuf. Seine Handelstätigkeiten als Kaufmann haben jedoch bislang nur wenig Beachtung erfahren. Und wenn, dann wird lediglich auf Voghts beinahe sprichwörtliches Zitat verwiesen: „Ich war der erste Hamburger Kaufmann, der aus Mokka Kaffee, aus Baltimore Toback, aus Surinam Kaffee, aus Afrika Gummi holte.“

Diese Tour unterzieht den „Mythos Voght“ einer kritischen Betrachtung und vermittelt einen Einblick in seine kolonialen Geschäfte. Insbesondere wird der Frage nachgegangen, inwieweit Voght am transatlantischen Versklavungshandel beteiligt war. Dabei zeigt sich auch das Zusammenwirken unterschiedlicher Kolonialsysteme um 1800 und die Beteiligung des Hamburgischen und Altonaer Bürgertums daran.

Ein paar Eckdaten: Nach dem Tod seines Vaters Senator Caspar Voght senior übernahm Caspar Voght junior 1781 das väterliche Handelshaus, gemeinsam mit seinem dort bereits tätigen Freund Georg Heinrich Sieveking. Sie benannten das Handelshaus Voght & Co. 1788 auch offiziell in Voght & Sieveking um. Die Hamburger Wirtschaft erlebte ein Hoch in den 1780er Jahren, da sie nach der Amerikanischen Revolution nun auch unabhängig von England direkten Handel mit den jungen USA treiben konnte. 1793 zog sich Caspar Voght offiziell aus dem Handelshaus zurück, führte jedoch die ertragreichen Geschäfte mit Nordamerika selbstständig weiter. 1799 starb Sieveking unerwartet. Die Handelskrise in jener Zeit sowie die Napoleonische Kontinentalsperre zwischen 1806 und 1814 veranlassten schließlich auch Voght zur Aufgabe seiner Geschäfte.

Ludwig Mpondo Akwa um 1905

Der Kolonialkritiker Mpondo Akwa [ca. 1871 - ca. 1914] – Deutschland | Kamerun

Lebensgeschichten

Gisela Ewe, 2024

Mpondo (auch Mpundu oder Mpundo geschrieben) Akwa wurde um 1879 geboren und stammte aus einer Familie der Oberschicht der Douala, die an der Küste Kameruns lebte. Er verbrachte viele Jahre seines Lebens im Deutschen Reich. Sein Vater hatte ihn zunächst zur Schulbildung nach Paderborn geschickt. Später entwickelte er sich mehr und mehr zum Protagonisten und Sprachrohr der Kritik der Douala am deutschen Kolonialsystem. Während er versuchte, sich eine Existenz in Deutschland aufzubauen, knüpfte er Kontakte mit deutschen Journalisten und Anwälten oder richtete Petitionen an den Reichstag.

Diese Form des Protests gegen die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun rief nicht nur die Gegenwehr der deutschen Koloniallobby hervor, sondern führte auch zu Versuchen, Mpondo Akwa als Person zu verunglimpfen. Dagegen wusste er sich allerdings zu wehren. Spektakulär waren die Prozesse Akwas und seines Anwalts Moses Levi in Altona und Hamburg, in denen sie die deutsche Kolonialherrschaft öffentlich bloßstellten und Akwa sich selbstbewusst behauptete.

Durch Akwas öffentliches Agieren sind sowohl in den zeitgenössischen Zeitungen als auch in deutschen und kamerunischen Archiven einige zentrale Quellen überliefert. Die Wortlaute der Akwa-Petitionen sind als Drucksache des Deutschen Reichstages veröffentlicht worden. Herausragend ist der Fund des Plädoyers von Moses Levi in dessen Nachlass, veröffentlicht von Leonard Harding im Jahr 2000. Wesentliche Forschung zur Rolle der Akwa lässt sich außerdem bei Joseph Gomsu, Ralph Austen und Andreas Eckert finden. Jüngere kamerunische Veröffentlichungen stammen etwa von Germain Nyada und Enoh Meyomesse. Genuin autobiografische Texte von Akwa selbst liegen allerdings nicht vor.

Blick auf die Altstadt von Qingdao mit der katholischen Kirche

Deutsche „Musterkolonie“ in China – Spuren in Hamburg – China | Deutschland

Thementouren

Ying Guo, 2024

Die Stadt Hamburg eröffnete 1829 ein Konsulat in Kanton, ein weiteres im Jahre 1852, zusammen mit Bremen und Lübeck, in Shanghai. Mit den beiden Opiumkriegen (1839-1842 sowie 1856-1860) zwischen China einerseits und Großbritannien, Frankreich und anderen europäischen Staaten andererseits, verschafften sich die Kolonialmächte Zugang zu mehreren chinesischen Häfen. Sie erzwangen zudem einen freien Import der Opium-Droge, Gebietsabtretungen und zahlreiche weitere Einschränkungen der chinesischen Souveränität. Insgesamt nahm damit der westliche Einfluss in China zu. Dazu zählte auch die christliche Missionierung. 1898 zwang das Deutsche Reich die Qing-Regierung, einen Pachtvertrag für Qingdao („Tsingtau“) in der Provinz Shandong zu unterzeichnen.

Tsingtau wurde aus einem Fischerdorf eine für damalige Verhältnisse sehr moderne Stadt. Diskriminierung und Unterdrückung gehörten allerdings zur Tagesordnung. Um die Jahrhundertwende begann eine antiimperiale Gegenwehr. Die Yìhétuán Yùndòng („Bewegung der Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie“ (義和團運動)) gingen in der Provinz Shandong gegen den kolonialen Einfluss christlicher Missionare und Vertreter*innen westlicher Staaten vor. Diese Bewegung bezeichneten die Kolonialmächte als „Boxeraufstand“, den ein Militärkorps mit Soldaten aus acht Ländern unter dem deutschen Oberkommando von Alfred von Waldersee 1900 brutal niederschlug.

Im Ersten Weltkrieg verlor das Deutsche Reich dann „seine“ Kolonie in China. Als „Tor zur Welt“ war auch Hamburg an dieser Geschichte beteiligt. Die folgenden Stationen beleuchten einige Orte, die mit dem deutschen Kolonialismus in China in Verbindung stehen.

Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg (um 1900).

Die Eulenburg-Expedition [1859–1862]: Wegbereiter des deutschen Kolonialismus in Ostasien – Deutschland | Japan | China | Thailand | Palau | Mikronesien | US-Marianen

Thementouren

Chung Hin Mak, 2024

Die Eulenburg-Expedition nach Ostasien (1859–1862), benannt nach ihrem Leiter Friedrich Albrecht zu Eulenburg (1815–1881), der von Preußen unterstützt wurde und den Deutschen Zollverein repräsentierte, gilt als Wegbereiter der modernen deutsch-ostasiatischen Beziehungen.

Das Ziel der Expedition war die Etablierung diplomatischer und kommerzieller Beziehungen zwischen den deutschen Staaten und Ostasien, die den Eintritt Deutschlands in die politische und koloniale Bühne Asiens markierte. Die Expedition führte nach Japan, China und Siam. Hier wurden ungleiche Verträge mit den Ländern geschlossen – ein charakteristisches Merkmal westlicher Diplomatie in Ostasien während der Hochphase des Imperialismus und Kolonialismus.

Die Bedeutung dieser Expedition darf nicht unterschätzt werden. Die daraus resultierenden diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Ostasien hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die regionale und globale Geschichte, die sowohl mit dem deutschen Imperialismus als auch mit den Modernisierungsprozessen in Japan und China zusammenhängen.

Momolu Massaquoi,1905

Die Familie Massaquoi – Liberia | Deutschland | USA

Lebensgeschichten

Madeline Danquah und Tendai Sichone, 2024

Die Massaquoi-Dynastie ist eine bedeutende Adelsfamilie aus Westafrika. Die Familie gehört den Vai an, einer Gesellschaft in den heutigen Staaten Sierra Leone und Liberia. In der vorkolonialen als auch in der kolonialen Geschichte Westafrikas hat sie eine wichtige Rolle in Politik und Wirtschaft gespielt.

Aufgrund der politischen und diplomatischen Beziehung der Weimarer Republik zu Liberia Anfang des 20. Jahrhunderts kam ein Zweig der Massaquoi-Familie in die Hafenstadt Hamburg. Zentrale Personen waren der Diplomat Momolu Massaquoi (1869-1938), seine Tochter Fatima Massaquoi (1904-1978) und sein Enkelsohn Hans-Jürgen Massaquoi (1926-2013).

Ihre Lebenswege spiegeln den tiefgreifenden Wandel wider, den Deutschland im 20. Jahrhundert erlebte – von der Unruhe der Weimarer Republik über die Schrecken des Nationalsozialismus bis hin zu den transatlantischen Verbindungen der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit. Jede*r von ihnen hat auf unterschiedliche Weise zur Geschichte der afrikanischen Diaspora beigetragen und bedeutende historische Beiträge in Diplomatie, Bildung und Literatur geleistet. Ihre Werke geben wichtige Einblicke in die Geschichte Schwarzer Menschen in Liberia, Deutschland und den USA. Heute werden die Mitglieder der Familie als ikonisch für das Empowerment Schwarzer Menschen betrachtet.

Das „Quikuru kwa Sike“, die nachempfundene Festung des Wanyamwezi-Herrschers Isike, Wohnort der Maasai auf der Ersten Deutschen Kolonialausstellung 1896.

Die Maasai auf der Ersten Deutschen Kolonialausstellung 1896 – Tansania | Kenia | Deutschland | Schweiz

Thementouren

Norman Aselmeyer und Saitabau Lulunken, 2025

Für die Erste Deutsche Kolonialausstellung vom 1. Mai bis zum 15. Oktober 1896 ließ das Auswärtige Amt 106 Menschen in den Kolonialgebieten anwerben und nach Deutschland bringen, um sie dem Berliner Publikum in einer rassistischen „Völkerschau“ zu präsentieren. Unter diesen befanden sich auch 17 Maasai aus Ostafrika: sieben Männer, fünf Frauen und fünf Kinder. Sie waren die ersten Maasai in Europa.

Den Maasai ging am Ende des 19. Jahrhunderts in Europa der Ruf der „edlen“, aber „skrupellosen“ Krieger voraus. Zur Unterhaltung des Berliner Publikums mussten sie auf der Kolonialausstellung in nächtlichen Schauspielen mörderische Angriffe auf andere afrikanische Gruppen mimen, um letztlich von den Europäern zurückgeschlagen zu werden: ein Symbolbild für den Mythos der europäischen „Zivilisierungsmission“. Dieses Schauspiel faszinierte die Besucher*innen offenbar sehr – und auch der deutsche Kaiser fand besonderen Gefallen an den Maasai-Kriegern.

Dieser Beitrag versucht die Geschichte der Maasai-Teilnehmer*innen aus dem ehemaligen „Deutsch-Ostafrika“ auf der Kolonialausstellung nachzuzeichnen – und sucht nach den Spuren, die sie in Europa und Tansania hinterlassen haben.

Die afrikanische Großtierfauna im Straßenbild von Berlin: Der mit dem ersten Preis versehene Entwurf von Fritz Behn für ein Kolonialkriegerdenkmal auf dem Baltenplatz (heute Bersarinplatz) in Berlin.

Ein Kolonialkriegerdenkmal in Berlin – Deutschland

Stadttouren

Joachim Zeller, 2024

In verschiedenen deutschen Städten wurden koloniale Denkmäler errichtet. Auch in Berlin wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Gestaltung und Errichtung eines Kolonialkriegerdenkmals diskutiert. Das Ziel war die Schaffung eines identitätsstiftenden Symbols der deutschen Kolonialbewegung, das zugleich dem imperialen Anspruch des Deutschen Reichs Ausdruck verleihen sollte.

Als Folge von Uneinigkeiten bei der Gestaltung des Monuments und durch den Kriegsbeginn 1914 wurde das Denkmalprojekt in Berlin nicht realisiert–aber 20 Jahre später in modifizierter Form in Bremen umgesetzt.

Bei diesem Text handelt es sich um einen bearbeiteten Auszug aus dem Buch „Berlin. Eine postkoloniale Metropole.“

Die Eröffnungsfeier des Islam-Instituts im Jahr 1927 mit Studierenden der El Arabiya, ihren Vorsitzenden Muhammed Nafi Tschelebi (rechts), dem libanesischen Politiker Shakib Arslan (mittig) und dem deutschen Orientwissenschaftler Georg Kampffmeyer (links)

El Arabiya. Die Vereinigung Arabischer Studierender – Deutschland | Libyen | Syrien

Organisationen

Selma Hertz, 2024

Im Berlin der Zwischenkriegszeit begegneten sich an den Universitäten ägyptische, syrische, palästinensische und viele weitere arabische Studierende aus unterschiedlichen Kolonien und Mandatsgebieten. Ab 1923 organisierten sie sich gemeinsam in der El Arabiya, der ersten arabischen Studierendenvereinigung im Deutschen Reich. Die Mitglieder der El Arabiya demonstrierten gegen den europäischen Imperialismus und unterstützten von Berlin aus die Unabhängigkeitsbewegungen in ihren Herkunftsregionen. Zeitgleich partizipierten sie in Vorlesungen und Seminaren an kolonialwissenschaftlichen Diskursen und gründeten akademische Institutionen wie die Islamia im Jahr 1924 oder das Islam-Institut im Jahr 1927.

Daraus resultierende orientalistische Spannungsfelder an den Berliner Universitäten veranschaulichen einerseits, wie sich antikoloniale Proteste parallel zu den neuen Dynamiken der europäischen Expansion in den 1920er Jahren globalisierten. Andererseits wird deutlich, dass sich die Reichshauptstadt zu einem Zentrum dieser Proteste entwickelte. Die Geschichte der El Arabiya zeigt, inwiefern sich Kolonialmigrant*innen im Deutschen Reich gegen den Kolonialismus engagierten und dekoloniale Weltanschauungen prägten.

Hermann A.H. Nolte.

Erinnerungskonkurrenz: Der Tod des Oberleutnant Hermann Nolte [1869-1902] – Kamerun | Deutschland

Lebensgeschichten

Richard Tsogang Fossi, 2024

Die deutsche Kolonialzeit in Kamerun ist nicht nur eine Geschichte der Ausbeutung materieller und kultureller Ressourcen, sondern auch eine Geschichte andauernder militärischer Besetzung und Gewalt. Zwischen 1884 und 1914 wurden in „Deutsch-Kamerun“ mehr als 180 Aggressionskriege verübt. Das Militär sollte das begehrte Land kriegerisch „öffnen“ und damit die sogenannte „Erschließung” ermöglichen. Die Militärs wurden trotz ihres gewaltsamen Vorgehens in der Kolonialliteratur kolonialromantisch und propagandistisch als „Pioniere“ und einige sogar als „Kolonialtalente“ dargestellt.

Dieser Militärapparat, der Erniedrigung, Tod und Verwüstung säte, wurde manchmal aber selbst mit Niederlage und Tod konfrontiert. Der Fall des Kolonialoffiziers Hermann Nolte zeigt dies auf. Er zeigt auch auf, wie die kolonisierte Bevölkerung solche Momente der erfolgreichen Gegenwehr im kollektiven Gedächtnis behielt und zum Teil ihrer Identität werden ließ.

Hermann Nolte wurde nach seiner Ausbildung zum Leutnant im Jahr 1889 in Deutschland in die „Schutztruppe“ der Kolonie Kamerun aufgenommen. Nachdem er an zahlreichen blutigen Unterwerfungskriegen teilgenommen hatte, wurde er 1902 nach Banyo geschickt, um dort einen Militärposten zu errichten. Dort wurde er vom widerständigen Sultan Oumarou getötet.

Das gepflegte Grab von Hermann Nolte befindet sich bis heute in Banyo – genauso wie das Grab Oumarous. Beide Gräber sind in einen lebendigen Prozess der Erinnerung(skonkurrenz) an die deutsche Kolonialgeschichte in Kamerun eingebunden.

Die Familie Garber in Berlin-Zehlendorf, um 1947

Familie Garber [1879-2013] – Togo | Deutschland

Lebensgeschichten

Robbie Aitken, 2022

Bis zu seinem Tod im Jahr 1950 lebte der Togoer Amemenjong, später bekannt als Joseph Garber, fast fünf Jahrzehnte lang in Berlin. Seine Geschichte und die seiner in Berlin geborenen Kinder veranschaulichen, wie das Leben Schwarzer Deutscher durch den Kolonialismus und seine Hinterlassenschaften und später durch die Rassenpolitik der Nazis geprägt wurde.

Es war das Kolonialreich, das Garber nach Deutschland brachte. Zunächst kam er 1891 aus Ausbildungsgründen und dann 1896, um als Teil einer sogenannten Völkerschau auf der Ersten Deutschen Kolonialausstellung in Berlin-Treptow ausgestellt zu werden. Nach dem Ende der Ausstellung beschloss er zu bleiben, machte eine Ausbildung zum Schneider und fertigte während des Weltkriegs Militärjacken für die deutsche Armee an, bevor er in den Krieg einberufen wurde. In Berlin-Neukölln heiratete er 1910, gründete eine Familie und betrieb bis zur Weltwirtschaftskrise eine erfolgreiche Herrenschneiderei.

Da er nie deutscher Staatsbürger, sondern nur deutscher "Schutzgebietsangehöriger" war, waren Joseph und seine Kinder nach dem Ende des deutschen Kolonialreichs praktisch staatenlos. Dieser fehlende rechtliche Schutz machte die Familie nach der Machtübernahme durch die Nazis zunehmend verwundbar. Wie alle Schwarzen Einwohner*innen wurden auch Joseph und seine inzwischen erwachsenen Kinder ausgegrenzt und zunehmend diskriminiert. Joseph wurde mehrmals wegen fehlender Ausweispapiere verhaftet, während seine Kinder kaum eine andere Möglichkeit hatten, als ihren Lebensunterhalt durch Auftritte in exotischen Shows und NS-Propagandafilmen zu bestreiten, die die koloniale Vergangenheit verherrlichten.

Joseph und seine Kinder überlebten das Naziregime. In der Zeit nach 1945 verließen alle vier Garber-Geschwister Deutschland und versuchten, sich anderswo ein neues Leben aufzubauen.

Siegelmarke der Disconto-Gesellschaft. Mit diesen 4 cm großen Marken wurden die Geschäftsbriefe versiegelt.

Finanzierung kolonialer Ausbeutung: Adolph von Hansemann [1826–1903] und die Disconto-Gesellschaft – Deutschland | Papua-Neuguinea | Namibia | China

Institutionen

Barbara Frey, 2024

Der Bankier Adolph von Hansemann (1826–1903) war einer der ganz großen finanzstarken Akteure im Geschäft mit dem Kolonialismus. Er war Miteigentümer und Geschäftsführer der Disconto-Gesellschaft, die Ende der 1920er Jahre mit der Deutschen Bank fusionierte. Zu von Hansemanns Zeiten war die Disconto-Gesellschaft, die größte Privatbank des Deutschen Kaiserreichs. Von Hansemann investierte privat, als auch mit Anleihen der Bank, in zahlreiche koloniale Unternehmungen.

Damit ebnete er der deutschen Kolonisierung den Weg und nahm Einfluss auf die koloniale Reichspolitik. Er war maßgeblich an der Gründung der Kolonie „Deutsch-Neuguinea“ beteiligt, unterstützte „Forschungsreisen“, ließ wirtschaftliche Möglichkeiten sondieren, finanzierte Landerwerb und gründete Handels-, Minen- und Eisenbahngesellschaften, wie die Neuguinea-Kompagnie oder die Otavi Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft (OMEG).

Die Verbindung von Kapital, Kolonialpolitik und wirtschaftlicher Ausbeutung wird an der Disconto Gesellschaft sowie an Adolph von Hansemann und der Rolle, die er im Prozess der Kolonialisierung einnahm, offensichtlich. In diesem Beitrag werden einige der Unternehmungen vorgestellt, die von Hansemann und die Disconto-Gesellschaft mit ihren Investitionen finanzierten. Sie trieben damit die koloniale Ausbeutung vieler Regionen voran und führten die dort lebenden Menschen in wirtschaftliche Abhängigkeit, Armut und Zwangsarbeit.

Detail eines großen Stücks verzierten Stoffs mit der Aufschrift „Flagge des verstorbenen Königs Mohamma Andani“, dem ehemaligen Yaa Na von Dagbon. Es könnte sich um die Farankang handeln, nach der die Menschen von Dagbon schon immer gesucht haben.

Friedrich Rigler, Sang dali und die Plünderung des Nordens von Togo – Togo | Ghana | Deutschland

Thementouren

Yann LeGall, 2024

In der deutschen Kolonialpropaganda wurde die Kolonie „Togoland“ als „Musterkolonie“ bezeichnet. Doch Berichte belegen, dass Kolonialbeamte und -verwalter zwischen 1888 und 1902 nicht weniger als sechzig Militärexpeditionen gegen lokale Gemeinschaften führten. Beweise für Verbrechen, gewaltsame Ausschreitungen und Plünderungen, die im nördlichen Teil der Kolonie verübt wurden, finden sich in vielen deutschen Museen: Tausende von Kriegsbeutestücken liegen in ihren Lagerhallen.

In dieser Geschichte geht es um den ehemaligen Leiter der Kolonialstation in Sansanné-Mango, Friedrich Rigler, und seine 1899 unternommene Expedition gegen das Königreich Dagbon. Dieser Mann, der in Museumsdatenbanken noch immer als „Sammler“ bezeichnet wird, brannte Städte und Dörfer nieder, beging Kriegsverbrechen und enteignete die lokale Bevölkerung. Dabei schickte er mehr Beute“ nach Deutschland, als die Museen unterbringen konnten.

Trigger-Warnung: Dieser Beitrag zitiert kolonial-rassistische Sprache aus Archiven, die unter anderem den Diebstahl von ancestral remains und die Schändung von Gräbern beschreiben. Außerdem werden Artefakte mit möglicherweise sakralem Charakter gezeigt.

Straßenschild der „Von-Romberg-Straße“ in Frönsberg (Hemer), 2020

Friedrich von Romberg [1729-1819]: Ein Akteur des globalen Kolonial- und Versklavungshandels – Deutschland | Belgien | Kuba | Frankreich | Haiti

Lebensgeschichten

Magnus Ressel, 2024

In dem kleinen sauerländischen Ort Frönsberg bei Hemer in Westfalen gibt es eine „Von Romberg-Straße“. Ein Schild unter dem Straßennamen erklärt, dass hier ein „erfolgreicher Großunternehmer“ geehrt wird. Nicht erwähnt wird aber, dass es sich bei dem Namensgeber der Straße, Freiherrn Friedrich von Romberg (1729-1819), um den wohl größten deutschen Versklavungshändler und Plantagenbesitzer des 18. Jahrhunderts handelt.

Als das Schild um 1982 angebracht wurde, waren die Aktivitäten Rombergs im Kolonial- und Versklavungshandel nur wenigen Expert*innen bekannt. Inzwischen ist die Biografie Rombergs, der zum global agierenden Unternehmer und zeitweise vermutlich wohlhabendsten Mann Europas aufstieg – und nach der Unabhängigkeit Haitis sein Vermögen wieder verlor – auch in seiner Herkunftsregion bekannt.

Der folgende Beitrag zeichnet die Karriere des Unternehmers aus dem Sauerland nach und richtet dabei den Fokus auf seine Rolle im Versklavungshandel des 18. Jahrhunderts.

Überblick über Gibeon

Gibeon und die /Khowesen: Erinnerungen an den antikolonialen Widerstand – Namibia

Stadttouren

Talita Fransizka Bangarah, Reinhart Kößler und Tamen Uinuseb, 2024

Gibeon (!Khaxa-tsûs) ist heute eine Gemeinde in der Hardap-Region im Süden Namibias. Die Gemeinde hat ca. 4000 Einwohner und liegt 70 km südlich der Regionalhauptstadt Mariental in der Nähe des Großen Fischflusses, eines saisonalen Wasserlaufs mit zeitweise dramatischen Überschwemmungen. Als dauerhafte Siedlung wurde Gibeon 1863 gegründet, als sich Kaptein Kido (Cupido) Witbooi von den /Khowesen dort niederließ.

Nach den dramatischen Zeiten des späten 19. Jahrhunderts wurde Gibeon Bezirkshauptstadt unter der deutschen Kolonialmacht und offizieller Wohnsitz von Kaptein Hendrik Witbooi (Auta !Nanseb), als er 1894 von der deutschen Kolonialmacht zu einem „Schutzvertrag“ gezwungen worden war. Im Jahr 1904 war Gibeon der Ausgangspunkt des Nama-Deutschen Krieges (1904-1908). Nach dem Völkermord konnten die Nama nur langsam zurückkehren, und unter südafrikanischer Herrschaft (1915-1990) fassten die Witbooi im Krantzplatz-Reservat, das nördlich an die Gibeon Townlands angrenzt, wieder Fuß. Während dieser langen Zeit hielten sie an den prekären Möglichkeiten fest, die sie hatten um den Zusammenhalt der /Khowesen beizubehalten.

In den 1970er Jahren, als sich wichtige Nama-Führer der SWAPO anschlossen, wurde Gibeon zur „Hauptstadt des Südens“ der Befreiungsbewegung. Gibeon war auch ein wichtiges Zentrum für das Schulwesen.

Nach der Unabhängigkeit wurde die Siedlung als politische Gemeinde organisiertt und zum Zentrum eines Wahlkreises für den Hardap-Regionalrat. Sie ist nach wie vor die traditionelle Hauptstadt der /Khowesen.

Schiffe in Warteposition vor den Chincha-Inseln um 1863

Hamburg: Reichtum durch Peru-Guano – Deutschland | Peru | Namibia

Thementouren

Claudia Chávez de Lederbogen, 2024

Im 19. Jahrhundert gab es zwischen Hamburg und dem 1821 unabhängig gewordenen Peru Handelsbeziehungen, die entscheidend zu Hamburgs Wohlstand beitrugen. Der Rohstoff Guano spielte dabei eine besondere Rolle. Er ist ein organischer Dünger, der aus sonnengetrockneten Exkrementen von Seevögeln, deren Knochen und Eierschalen besteht. Millionen von Seevögeln nisten auf den kleinen, nah an Perus Küste liegenden Guano-Inseln. Ihre Nahrung finden sie in dem großen Fischreichtum des kalten Humboldt-Stromes. Der Begriff Guano (huanu) stammt aus der Quechua-Sprache und bedeutet „Dung“ oder „Mist“.

Es war der Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769 – 1859), der 1802 während seines Aufenthaltes in Peru erste Guano-Proben von den Chincha-Inseln zur Analyse nach Europa schickte. Die Untersuchung ergab, dass sie besonders viel Stickstoff enthielten, mehr als jeglicher bislang in Europa bekannte Dünger.

Die im 19. Jahrhundert beginnende Industrialisierung Europas erforderte steigende Erträge in der Landwirtschaft für die Ernährung der wachsenden Bevölkerung in den Städten. Die Inhaltsstoffe des Peru-Guano – Kalium, Stickstoff- und Phosphorsalze – entsprachen der empfohlenen Düngung der Äcker. Die ab 1840 einsetzende große Nachfrage des Peru-Guanos im globalen Handel führte zum vollständigen Abbau der Guano-Vorräte auf den drei größten Inseln, den Chincha-Inseln, innerhalb von vier Jahrzehnten.

Neue Wandrahmbrücke mit Ballin- und Chilehaus

Hamburger Kaufleute im Salpeter-Handel – Deutschland | Chile

Thementouren

Claudia Chávez de Lederbogen, 2024

Für Hamburger Kaufleute begann Anfang der 1880er Jahre der lukrative Handel mit Salpeter. Auch am Abbau des Minerals waren sie beteiligt. In der Atacama-Wüste befanden sich große Lager an Salpeter, ein aus Natrium- und Kaliumnitrat bestehendes Mineral. Es eignete sich als Düngemittel sowie für die Herstellung von Schießpulver und Sprengstoff.

Vor 1879 gehörte die nördliche Atacama-Wüste zu Bolivien und zu Peru. Beide Länder hatten schon seit den 1850er Jahren Lizenzen an britische und deutsche Unternehmen für den Abbau von Salpeter vergeben, sie strebten eine staatlich regulierte Salpeterproduktion an. Chile verfolgte dagegen eine extrem liberale Politik. Als Peru die Salpeterindustrie weitgehend verstaatlichte und auf ein Handelsmonopol für Salpeter bestand, Bolivien ferner die Exportzölle auf Salpeter erhöhte, kam es von 1879 bis 1884 zum „Salpeterkrieg“ zwischen den drei Ländern. Er führte zur Abtretung der peruanischen Salpetergebiete Arica und Tarapacá im Jahr 1883 an Chile. Bolivien verlor dabei seinen Zugang zum Meer.

Chile wurde somit zum weltweit führenden Produzenten von Salpeter und mehrere Hamburger Kaufleute verlagerten ihre Geschäfte dorthin, nachdem der Handel mit den fast erschöpften Guano-Vorräten aus Peru nicht mehr den gewünschten Profit eingebracht hatte.

Ausschnitt eines Gruppenfotos mit Heinrich Sam Dibonge im Chicago Defender, 1929.

Heinrich Sam Dibonge [1889-1971]: Ein Leben zwischen Kamerun und Deutschland – Deutschland | Kamerun

Lebensgeschichten

Robbie Aitken, 2024

Die Lebensgeschichte des Kameruners Heinrich Sam Dibonge zeigt, welche Auswirkungen der Kolonialismus auf das Leben Schwarzer Männer und Frauen hatte, die zwischen Afrika und dem Deutschen Reich pendelten. Er wurde zur Zeit der deutschen Kolonialisierung in eine Elitefamilie in Douala in Kamerun, geboren. Wie viele seiner Generation wurde Dibonge von den Kolonisatoren ausgebildet, bevor er in den Dienst eines deutschen Händlers trat. Dieser brachte ihn mehrmals nach Deutschland, unter anderem in den Monaten unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Bei Kriegsende war Dibonge in Hamburg gestrandet - er konnte nicht nach Douala zurückkehren und sah seine kamerunische Frau und seine junge Familie nie wieder.

Dibonge war als deutsches „Kolonialsubjekt“, das vor 1914 keine Staatsbürgerschaft besessen hatte, in der Weimarer Republik staatenlos geworden. Unter immer schwierigeren Umständen kämpfte er darum, sich in Deutschland ein Leben aufbauen zu können. In der Nachkriegszeit hatte er als Facharbeiter bei der Firma von Theodor Zeise Erfolg, heiratete ein zweites Mal und fand Anschluss an die verstreute Schwarze Community in Deutschland. Gleichzeitig verbüßte er eine Haftstrafe und wurde von der deutschen Staatsbürgerschaft ausgeschlossen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschlechterte sich die Situation von Dibonge und seiner deutschen Frau rapide, und das Paar war Ausgrenzung und Gewalt ausgesetzt.

Eine Illustration eines Portraits Hu Lanqis auf dem Cover der Zeitschrift The Young Companion (Liángyǒu), 1932.

Hu Lanqi [1901-1994] – Deutschland | China

Lebensgeschichten

Laura Frey, 2024

Die Chinesin Hu Lanqi war eine politische Aktivistin, die zwischen 1929 und 1933 in Berlin lebte. In Berlin war sie in kommunistischen Kreisen aktiv und kämpfte gegen den japanischen Imperialismus in China. Aufgrund ihrer politischen Aktivitäten wurde sie 1933 von den Nationalsozialisten verhaftet und in einem Berliner Frauengefängnis inhaftiert. Über ihren Aufenthalt verfasste sie eine Serie von Artikeln und wurde damit in kommunistischen und literarischen Kreisen bekannt.

Zurück in China wurde Hu zur ersten Generalin Chinas ernannt und organisierte einen Frauenkorps. Nach der Machtübernahme der Kommunist*innen wurde sie 1957 jedoch als „Rechte“ eingestuft und erst in den 1970er Jahren rehabilitiert. Hu starb 1994 in ihrer Geburtsstadt Chengdu.

Als antikoloniale Aktivistin, Studentin und Kommunistin führte Hu ein transnationales Leben und arbeitete mit zentralen Akteur*innen der antiimperialistischen, kommunistischen Netzwerke der Zwischenkriegszeit zusammen.

Die isigude, Strelitzia reginae oder Paradiesvogelblume.

Isigude oder Strelitzia reginae – Pflanzenpolitik und globale Zusammenhänge – Deutschland | England | USA | Südafrika

Thementouren

Anna von Rath und Elisabeth Nechutnys, 2024

Die langstieligen Blätter der isigude oder Strelitzia reginae ähneln denen von Bananen, ihre Blüte ist es, die Menschen weltweit schon seit Jahrhunderten begeistert: Ihre Form erinnert an einen Vogelkopf mit leuchtend orange-blauem Gefieder. Sie wird daher auch als Paradiesvogelblume, Papageienblume oder Kranichblume bezeichnet. Die Blume ist ikonisch.

Heimisch ist sie in Südafrika und ihre weltweite Verbreitung hängt eng mit kolonialen und globalen Machtdynamiken zusammen: Ihre Benennung durch europäische Botaniker nach der britischen Queen Charlotte aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz, ihre Kultivierung und repräsentative Verwendung zeugen von komplexen Prozessen, die Verbindungen zur imperialen Expansion, Forschung, Diplomatie, zur Tourismus- und Schnittblumenindustrie, zum Lokalpatriotismus und Nationalismus aufweisen.

Die Strelitzie ist politisch und diese Tour zeichnet nach, an welchen Orten und für welche Personen sie eine Rolle spielt(e) und welcher symbolische Wert ihr zu verschiedenen Zeitpunkten zugeschrieben wurde.

Stolperstein für Martha Ndumbe in der Berliner Max-Beer-Straße 24

Jacob Njo N'dumbe [1878-1919] und Martha N'dumbe [1902-1945] – Kamerun | Deutschland

Lebensgeschichten

Robbie Aitken, 2021

Die Lebensgeschichten des Kameruners Jacob N'dumbe und seiner in Berlin geborenen Tochter Martha zeigen, vor welch großen Herausforderungen Schwarze Männer und Frauen standen, wenn sie vor 1945 ein Leben in Deutschland aufbauen wollten. Jacob kam ursprünglich als Teil der kamerunischen Gruppe, die an der Berliner Kolonialausstellung von 1896 teilnahm, nach Deutschland. Während viele seiner Zeitgenossen nach dem Ende der Ausstellung nach Hause zurückkehrten, entschied er sich, in Berlin zu bleiben und sich schließlich dort niederzulassen. Er machte eine Ausbildung zum Schmied, heiratete und gründete eine Familie. Seine Tochter Martha wurde 1902 geboren.

Wirtschaftliche Instabilität und zunehmende soziale und politische Ausgrenzung prägten das Leben der beiden: Jacob wurde während des Kaiserreichs die deutsche Staatsbürgerschaft verweigert, er hatte Schwierigkeiten, eine feste Anstellung zu finden, und seine Ehe zerbrach. All dies wirkte sich auf seine psychische Gesundheit aus. Auch Martha hatte es schwer, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und wandte sich der Kleinkriminalität und Prostitution zu. Unter den Nazis galt sie als "Asoziale" und wurde schließlich im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert, wo sie im Februar 1945 starb.

Joseph Ekwe Bilé

Joseph Ekwe Bilé [1892-1959] – Kamerun | Deutschland

Lebensgeschichten

Robbie Aitken, 2022

Bauingenieur, Kriegsveteran, Sänger, Tänzer, Film- und Theaterschauspieler, antikolonialer und antirassistischer Aktivist, Panafrikanist und Kommunist - der Kameruner Joseph Ekwe Bilé war all das und mehr. Er war zweifelsohne einer der wichtigsten Schwarzen politischen Aktivisten der Weimarer Zeit. Durch sein Engagement innerhalb der transnationalen Netzwerke der Kommunistischen Internationalen und des Panafrikanismus gab er der Schwarzen Community in Deutschland eine politische Stimme. Er arbeitete mit prominenten und einflussreichen Schwarzen Aktivisten wie George Padmore, Tiemoko Garan Kouyaté, James Ford und Jomo Kenyatta zusammen, prangerte öffentlich die Gewalt der europäischen Imperien an und forderte gleiche Rechte für Schwarze Menschen weltweit. Gleichzeitig war er ein begabter Künstler und teilte die Theaterbühne mit Weltstars wie Josephine Baker in Wien und Paul Robeson in Berlin.

Mitglieder der AMFMRA im Jardim 28 de Maio auch bekannt als Jardim dos Madgermans in Maputo, 2023.

Kämpfe mosambikanischer Vertragsarbeiter*innen – Mosambik | Deutschland

Thementouren

Liz Weidler und Ana Raquel Masoio, 2024

In den 1960er Jahren begann die DDR damit, Vertragsarbeiter*innen aus sogenannten sozialistischen Bruderstaaten wie Vietnam, Kuba, Algerien, Angola, Polen, Bulgarien und auch Mosambik anzuwerben, um einen steigenden Bedarf an Arbeitskräften zu decken. 1979 wurde ein Vertrag mit Mosambik geschlossen, der die Bedingungen schaffte, um etwa 20.000 Mosambikaner*innen in verschiedenen Betrieben der DDR – meistens in der Produktion – zu beschäftigen.

Dem „real existierenden Sozialismus“ ging es dabei vor allem um die Arbeitskraft: Vermeintlich unproduktive Körper konnten zur Rückkehr in ihre Heimatländer verpflichtet werden. Menschen, die aufgrund psychischer Erkrankungen, schwerer Verletzungen oder Schwangerschaft arbeitsunfähig wurden, wurden ausgewiesen. Dies entsprach nicht nur einer kapitalistischen Logik, in der Körper erst durch ihre Produktivität einen Wert erhalten, sondern stellte sich auch als ein koloniales und patriarchales Verhältnis dar, in dem die Körper rassifizierter Personen, insbesondere die von rassifizierten Frauen, rücksichtslosen Maßnahmen unterworfen wurden, um Produktivität zu erzwingen.

Um ihre Geschichte geht es in der folgenden Tour. Sie basiert auf Ausschnitten aus verschiedenen Gesprächen und Interviews mit den mosambikanischen Aktivistinnen Ana Raquel Masoio, Ana Manganhela, Julia Simbine, Leia, Augusta José Macandua und Judite Armando, der Associação das Mulheres Feministas Mocambicanas Regressadas da Alemanha (AMFMRA - Verband der feministischen mosambikanischen aus Deutschland zurückgekehrten Frauen). Sie zeigen, wie patriarchal-rassistische Strukturen in Mosambik und der DDR das Leben dieser Frauen bis heute bestimmen – und wie sie sich dagegen zur Wehr setzen.

Brasilholz (Ibirapitanga / Paubrasilia echinata) hat Brasilien seinen Namen gegeben. Es ist heute als vom Aussterben bedrohte Art gelistet. Wegen des in Europa begehrten rötlichen Farbstoffes wurden die natürlichen Standorte des Baumes zerstört

Koloniale Botanik in Hamburg – Deutschland | Brasilien | Tansania

Thementouren

Daniel K. Manwire, 2024

Das Wissen über Pflanzen spielte von Anbeginn der europäischen Kolonialexpansion eine sehr große Rolle. Nicht nur glänzendes Gold trieb die Kolonisierung an, sondern auch der Wunsch nach einem direkten Zugriff auf bereits in Europa bekannte Pflanzen wie Pfeffer, Zimt, Muskatnuss und andere Gewürze. Mit dem sogenannten „Kolumbus-Effekt“ ab 1492 begann eine ökologische und landwirtschaftliche Veränderung großen Ausmaßes auf beiden Seiten des Atlantiks, später auch weltweit: Der Austausch und die Wechselwirkung von jeweils unbekannter Flora veränderten viele gesellschaftliche Bereiche enorm. Kartoffel, Mais, Tomate, Tabak und Erdnüsse etwa waren jenseits der Amerikas unbekannt. Umgekehrt gab es dort weder Kaffeesträucher noch Zuckerrohr, Zwiebeln oder Bananenstauden wie in Europa, Afrika und Asien.

Färberei, Nahrung, Genuss, Arznei, Bau und Textilien: Pflanzen waren wertvolle Rohstoffe. Manche, etwa das Brasilholz (Ibirapitanga in der indigenen Tupi–Guarani Sprachfamilie) der atlantischen Küstenwälder Brasiliens, wurden zwischen dem 16. und dem Ende des 18. Jahrhunderts direkt abgeholzt. Andere Pflanzen wie Indigo, Baumwolle, Tabak und Zuckerrohr mussten versklavte Menschen aus Afrika in Plantagen in den Amerikas anbauen, pflegen, ernten und verarbeiten, bevor sie in die Hafenstädte Hamburg und Altona verschifft wurden.

Dort ging die genaue Erforschung und Identifizierung von Pflanzen aus kolonialen Gebieten Hand in Hand mit kommerziellen Interessen an profitablen Pflanzen sowie ihrer Anbaubedingungen. Dabei spielten auch der Zugriff und die Aneignung auf das mit diesen Ressourcen verbundene indigene Wissen eine wesentliche Rolle. Dieser Beitrag wirft Schlaglichter auf einige Orte, die sich um die Entstehung der Botanik in Hamburg in Verbindung mit dem Kolonialismus drehen.

Sisaltrockenplatz in „Deutsch-Ostafrika“.

Koloniale Handels- und Plantagengesellschaften aus dem Rheinland und Westfalen – Deutschland | Neu-Guinea | Tansania

Institutionen

Barbara Frey, 2024

Die Gier nach Rohstoffen und die Erwartung auf hohe Gewinne ließen deutsche Kaufleute und Unternehmer in koloniale Geschäfte investieren. Um überseeische Gebiete wirtschaftlich auszubeuten und neue Absatzmärkte schaffen zu können, gründeten sie Kapitalgesellschaften. Diese erwarben Land, ließen Plantagen anlegen und betreiben, Eisenbahnstrecken bauen und Rohstoffe schürfen. Die meisten dieser vorkolonialen und kolonialen deutschen Handels- Verkehrs-, Land-, Minen- und Plantagengesellschaften hatten ihren Sitz in Berlin, Hamburg oder Bremen. Aber auch abseits der Metropolen und der großen Hafenstädte investierten Kaufleute, Unternehmer und Industrielle in kolonialwirtschaftliche Projekte – so auch im Rheinland und in Westfalen.

Diese Gesellschaften trugen wesentlich zur Ausbeutung der Kolonien und zur Unterdrückung Abertausender von Menschen bei. Die europäischen Kolonisator*innen gingen davon aus, dass ihnen die indigene Bevölkerung als billige Arbeitskraft zur Verfügung stehen würde. Da es in der Praxis jedoch schwierig war, genügend Menschen für die schwere körperliche Arbeit auf den Plantagen, in den Minen und beim Eisenbahnbau zu rekrutieren, wurde die indigene Bevölkerung oftmals durch die Einführung von Steuern oder mit Gewalt zur Arbeit gezwungen. Prügelstrafe war in den Kolonien legal. Auch wurden Vertragsarbeiter*innen aus China oder anderen asiatischen Staaten angeheuert, sogenannte Kulis, die unter unwürdigen Bedingungen arbeiten mussten.

Die für den kolonialen Handel gewinnbringenden Nutzpflanzen wurden auf Plantagen in Monokulturen angebaut. Rodungen zerstörten nachhaltig die Natur.

Einen Einblick, wo sich rheinische und westfälische Kaufleute, Unternehmer und Industrielle an der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und billiger Arbeitskräfte beteiligten, gibt der folgende Beitrag.

Kanalplatz am Harburger Binnenhafen

Koloniale Industrie in Harburg – Deutschland

Thementouren

Anna Prochotta, 2024

Der Hamburger Bezirk Harburg war bis ins 20. Jahrhundert hinein eine eigenständige Stadt mit einem Hafen an der Elbe. Hier entstanden seit Mitte des 19. Jahrhunderts neue Unternehmen, die Rohstoffe aus kolonisierten Gebieten verarbeiteten. Insbesondere die Gummi- und die Ölindustrie machten die vergleichsweise kleine Stadt zu einem wichtigen Industriestandort im Kaiserreich.

Im Gegensatz zu den architektonischen Spuren im heutigen Stadtbild sind die Hinterlassenschaften in den Herkunftsländern der kolonialen Rohstoffe im Harburger Stadtraum unsichtbar. In den ehemaligen deutschen Kolonien, aber auch in Nigeria oder der Amazonasregion hat die Ausbeutung der an der Elbe verarbeiteten Rohstoffe vielfach die Lebensgrundlagen der Gesellschaften vor Ort zerstört. Land wurde enteignet um Plantagen anzulegen, auf denen die Menschen zur Arbeit gezwungen wurden. Den nahezu überall und immer wieder aufkeimenden Widerstand aus der lokalen Bevölkerung schlugen die Kolonialakteure häufig gewaltsam nieder.

Auch diese Ereignisse gehören zur Geschichte der Industriedenkmäler, auch wenn in Harburg nicht an sie erinnert wird. Die Stationen dieses Beitrags beleuchten wichtige Orte und Firmen in Harburg und ihre Verknüpfung mit dem Kolonialismus.

Eingang zu Hagenbecks Tierpark in Hamburg-Stellingen

Koloniale Menschenschauen in Hamburg – Deutschland | Kanada | Tansania | Neukaledonien/Kanaky

Thementouren

Anke Schwarzer, 2024

Koloniale Aktivitäten erstreckten sich nicht nur auf die von europäischen Staaten besetzten Gebiete in den Amerikas, in Afrika, Asien und Ozeanien. Kolonialismus prägte auch die Gesellschaften, die kolonisiert haben: Angefangen von imperialen Lebens- und Konsumweisen über koloniale Wissensproduktionen bis hin zu rassistischen Darstellungen von indigenen und Schwarzen Menschen in Kunst, Kultur und Kommerz.

Besonders publikumswirksame Formen der kolonialen Präsentation rassifizierter und exotisierter Menschen waren sogenannte „Völkerschauen“ in öffentlichen Gärten oder Tierparks. Aber auch Ausstellungen in Museen der Völker- und Naturkunde, die als neue „Kathedralen des Wissens“ ab Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet wurden, waren beim weißen Bürgertum beliebt. Darüber hinaus sammelten Kinder wie Erwachsene bunte Reklamebilder, auf denen Menschen aus kolonisierten Gebieten in meist abwertender oder verhöhnender Weise abgebildet waren.

Bekanntester Organisator von Menschenzoos war Carl Hagenbeck (1844-1913), dessen Tierpark bis heute besteht. Die Vorstellungen waren entwürdigend und können insgesamt als Produktionsstätten weißer Überlegenheitsgefühle und kolonialrassistischer Blickregime beschrieben werden – auch wenn eine Handvoll Schauen von Schwarzen und Personen of Color „selbstorganisiert“ waren, zum Zwecke des Geldverdienens oder auch des Überlebens als nicht-weiße Person im Nationalsozialismus.
Einige Nachfahren von Menschenzoo-Teilnehmenden wie etwa der ehemalige Fußballweltmeister Christian Lali Kake Karembeu wünschen sich – bislang erfolglos – eine Entschuldigung und Zugang zum Archiv des Familienunternehmens.

Der Beitrag wirft Schlaglichter auf verschiedene Formen von kolonialen Menschenschauen in Hamburg und ihre langen Echos, die bis in die Gegenwart reichen. Aus Respekt und um die Reproduktion kolonialrassistischer Settings zu vermeiden, verzichtet er auf die einschlägig bekannten Abbildungen dieser Veranstaltungen.

Historische Postkarte des Alten Johannishospitals.

Koloniale Sammlungen im Grassi Museum für Völkerkunde in Leipzig – Deutschland | Tansania

Institutionen

Emma Schätzlein und Leipzig postkolonial, 2023

In den wenigen Jahrzehnten des formalen deutschen Kolonialismus auf dem afrikanischen Kontinent, im Pazifik und in China gelangte der größte Teil der heutigen ethnologischen Sammlungen in deutsche Museen: Wissenschaftler*innen, Militärs, aber auch Missionar*innen kamen durch oft betrügerischen Tausch oder gewaltvollen Raub in den Besitz von Millionen Artefakten. Darüber hinaus plünderten auch Forscher*innen und Militärs Ahnengräber und brachten menschliche Gebeine nach Deutschland, wo sie für pseudowissenschaftliche Untersuchungen missbraucht wurden und teilweise bis heute in den Museen lagern.

Auch in mehreren Leipziger Institutionen finden sich Kulturschätze, die während der Kolonialzeit unter fragwürdigen und oft ungeklärten Umständen nach Deutschland gebracht wurden. Dazu gehören neben dem GRASSI Museum für Völkerkunde auch die Universität und das Leipziger Missionswerk. Seit seiner Gründung im 19. Jahrhundert nimmt das GRASSI Museum jedoch einen besonders prominenten Platz in der städtischen Geschichte ein.

Sparrenburg, Bielefeld

Koloniale Spuren in Bielefeld – Deutschland

Stadttouren

Barbara Frey/ Bielefeld postkolonial, 2024

Bielefeld und Kolonialismus? Was hatten die Bewohner*innen der Stadt, die ihren wirtschaftlichen Wohlstand der Textilindustrie verdankte, mit kolonialer Expansion und Ausbeutung zu tun? Wie in vielen anderen mitteleuropäischen Städten sind die Bezüge zum Kolonialismus nicht offensichtlich und gehörten lange nicht zu den stadtgeschichtlichen Überlieferungen. Nur wenige Spuren sind heute im Stadtbild sichtbar, so das Denkmal des Großen Kurfürsten auf der Bielefelder Sparrenburg, das vom (vor)kolonialen Handel der Brandenburgisch-Afrikanischen-Companie (BAC) zeugt.

Die meisten Spuren verbergen sich in Biografien von Auswander*innen und in Berichten über koloniale Aktivitäten der Bürger*innen. Denn diese kauften nicht nur Produkte aus den Kolonien und spendeten für die Mission – sie engagierten sich in Kolonialvereinen, besuchten Kolonialfeste, „Völkerschauen“ und Vorträge zu kolonialen Themen, sammelten außereuropäische Objekte, pflanzten 1924 eine Kolonialeiche und benannten noch 1963 eine Straße nach dem Kolonialverbrecher und NS-Idol Karl Peters. Auch der Sitz der Bethel-Mission befand sich in der Stadt.

Einige dieser Themen, die Bielefeld postkolonial seit 2007 bei Rundgängen auf kolonialen Spuren diskutiert, werden in den folgenden Stationen vorgestellt.

Die Schwebebahn, das Wahrzeichen Wuppertals, 2024

Koloniale Spuren in Wuppertal – Deutschland

Stadttouren

Phyllis Quartey und Decolonize Wuppertal, 2024

Wuppertal hat eine Kolonialgeschichte, die bis heute nachwirkt. Hier gibt es nach wie vor koloniale belastete Straßen- oder Apothekennamen, die Geschichte der „Völkerschauen“ im Zoo, die nicht aufgearbeitete Geschichte von Kunstwerken in Museen.

Unser Decolonize Wuppertal Stadtrundgang umfasst eine Bandbreite an verschiedenen Aspekten des Kolonialismus: Von den vermeintlich „ehrbaren“ Bürger*innen und ambivalenten Akteur*innen unserer Stadt, die aus dekolonialer Perspektive gar nicht mehr so heldenhaft sind. Von tatsächlichen Held*innen, deren Geschichten lange Zeit nicht erzählt wurden. Von wirtschaftlichen und religiösen Verstrickungen, die bis heute nachwirken. Unser Stadtrundgang scheut nicht davor, Gräueltaten wie „Völkerschauen“ zu benennen. Wir schauen nicht weg, wir halten an und nehmen uns die Zeit, aufzuzeigen, dass Kolonialismus in unserer Stadt stattgefunden hat. Dass aufgrund von Kolonialismus Menschen in unserer Stadt starben. Dabei ziehen wir immer wieder Bezüge ins jetzt und hier.

Wir laden mit diesem Rundgang dazu ein, mit uns ins Gespräch zu kommen, sich Gedanken über das eigene Handeln und den eigenen Beitrag zu neukolonialen Strukturen zu machen. Dabei geht es nicht darum, Schuld zuzuweisen, sondern um das Bewusstmachen des Unrechts. Denn erst wenn unsere Wahrnehmung geschärft ist, können wir Veränderung anstreben.

Das Bismarck-Denkmal in der Bremer Innenstadt, direkt neben dem Bremer Dom.

Kolonialismus in Bremens Innenstadt – Deutschland

Stadttouren

Ohiniko Mawussé Toffa, 2024

In der Bremer Innenstadt finden sich unterschiedliche Spuren der kolonialen Geschichte, an denen sich das Zusammenspiel vieler Faktoren widerspiegeln, die zur kolonialen Ausbeutung Afrikas, Asiens und der pazifischen Inseln sowie dem damit verbundenen Aufstieg Bremens als Handelsstadt beitrugen.

Die Stationen dieser Tour markieren die Knotenpunkte kolonialer Kontexte, die sich aus dem Einfluss einzelner Kaufleute, der Missionierung und des Handels mit Kolonialwaren ergibt. Darunter fällt das Denkmal des Reichskanzlers Otto von Bismarck, die Baumwollbörse und die Böttcherstraße, der Schokoladenfeinkostladen von Hachez & Co. und der Sitz der Norddeutschen Missionsgesellschaft.

In Kopenhagen würdigte das Denkmal "I am Queen Mary" von La Vaughn Belle und Jeanette Ehlers die Anführerin der Fireburn-Rebellion von 1878. Das Monument wurde 2020 wegen Sturmschäden abgebaut.

Kolonialware Zucker: Flensburgs globale Verflechtungen – Deutschland (ehm. Dänemark) | Ghana | US Virgin Islands

Thementouren

Nelo Schmalen und Lara Wörner, 2024

Heute wird Flensburg gerne als „Zucker- und Rumstadt” vermarktet. Zucker und das Nebenprodukt der Zuckerproduktion, Rohrum, wurden bis zum Zuckerrübenanbau in Europa durch Zuckerrohranbau – vor allem in der Karibik – gewonnen. Da Flensburg bis 1864 die drittgrößte Hafenstadt im dänischen Gesamtstaat war, profitierte die Stadt von vorteilhaften Handelskonditionen mit den dänischen Kolonien in der Karibik, die heute als St. Thomas, St. Croix und St. John (US Virgin Islands) bekannt sind. Die Zuckerproduktion war eng verbunden mit dem transatlantischen Versklavungshandel und der Plantagenwirtschaft.
Nachdem Flensburgs Zugehörigkeit zum Dänischen Gesamtstaat 1864 endete, wurde die Stadt Teil des preußischen/deutschen Kolonialismus. Die veränderten Steuergesetzgebungen machten den Handel mit den dänischen Kolonien in der Karibik umständlicher. Daraufhin wurde der Rohrum für die Flensburger Rumproduktion hauptsächlich aus der britischen Kolonie Jamaika importiert.

Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Verflechtungen Flensburgs zu seiner Zeit als Teil des dänischen Gesamtstaates. Anhand der Kolonialware Zucker werden die kolonialen Beziehungen zwischen Osu-Castle in Ghana, der Plantagenwirtschaft in St. Croix in der Karibik und der Stadt Flensburg aufgezeigt. An allen drei Orten hat die Geschichte der Ausbeutung Spuren in den Stadtstrukturen und Landschaften hinterlassen.

Wie sehr Flensburger Kaufleute ein Teil dieser Verflechtung waren und von dem Handel profitierten, wird exemplarisch an der Familie Christiansen verdeutlicht. Mit dem romantisierenden Selbstbild der „tüchtigen Kaufleute und Seemänner“ wird die Geschichte oftmals einseitig erzählt. Damit wird ausgeblendet, dass die unbezahlte Arbeit versklavter Menschen in der Karibik eine Grundlage für den Wohlstand der Kaufleute in Flensburg war.

Die ethnologischen Museen waren eng verbunden mit der Disziplin der Ethnologie.

Kolonialwissenschaften - Leipziger Forschungsinstitutionen und ihre Geschichten – Deutschland | Nigeria | Tansania

Stadttouren

Emma Schätzlein und Leipzig postkolonial, 2023

Die kolonialen Bestrebungen des Deutschen Reichs förderten Ende des 19. Jahrhunderts eine akademische Beschreibung, Ordnung und Kartierung von Gebieten, Sprachen und Menschengruppen.

In diesem Kontext konnten sich innerhalb weniger Jahrzehnte die Disziplinen Afrikanistik, Arabistik („Orientalisches Institut“), Ethnologie und Geographie als eigenständige Institute an der Universität Leipzig etablieren. Die oft vorurteilsbehaftete wissenschaftliche Beschäftigung trug zur rassistischen Konstruktion des „Fremden“ bei. Indem sich stereotype Vorstellungen über „den Orient“, „Afrika“, und eine rassifizierende Einteilung von Menschengruppen verfestigten, wurde die Abwertung außereuropäischer Kultur zur gesellschaftlichen Norm. Die in den vermeintlich wissenschaftlichen Studien gewonnenen Erkenntnisse konnten zur Verbreitung der Ideologie von einer „weißen Überlegenheit“ und damit zur Rechtfertigung kolonialer Inbesitznahme herangezogen werden.

Auch wenn die koloniale Wissensproduktion durch die Disziplinen selbst seit einigen Jahren kritisch hinterfragt und aufgearbeitet wird, wirkt das Erbe dieser Wissenstradition bis heute nach – auch in Leipzig.

Auf dem Gemälde sind Abbega und Dorugu zu sehen. Sie sind in osmanisch anmutender Kleidung mit blauen Pluderhosen, einer roten Jacke und Fez mit einer Quaste auf dem Kopf dargestellt, 1855.

Leben und Reisen von Abbega und Dorugu – Nigeria | Niger | England | Deutschland

Lebensgeschichten

Madeline Danquah und Tendai Sichone, 2024

In der Sammlung des Museums am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK) in Hamburg befindet sich ein bemerkenswertes Gemälde: Es zeigt die beiden Jugendlichen Abbega und Dorugu. Sie wurden in jungen Jahren in einer Region Westafrikas versklavt, gerieten über Umwege in die Dienste und Abhängigkeit von dem Geografen Heinrich Barth und begleiteten ihn fortan auf seinen Forschungsreisen. Mit ihm reisten sie durch Afrika und Europa bis nach Deutschland, Berlin, Gotha und Hamburg.

Von Abbega und Dorugu ist nicht nur das Gemälde überliefert. 1885 veröffentlichte der deutsche Missionar James Frederick Schön in einer Hausa-Grammatik einen episodischen Lebensbericht Dorugus unter dem Titel „The Life and Travels of Dorugu“. Dorugu hatte Schön den Bericht seines Lebens und seiner Reisen abschnittsweise diktiert. Auch Abbega kam am Rande vor oder wurde zitiert. Es handelt sich damit um ein seltenes Selbstzeugnis eines Hausas aus dem 19. Jahrhundert. Dorugu richtete seinen aufmerksamen Blick nicht nur auf das vorkoloniale Nord-, Zentral-, und Westafrika, sondern auch auf Nord-, Mittel- und Westeuropa.

In dieser Tour geht es um das Leben und die Beobachtungen von Abbega und Dorugu. Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Namen Dorugu und Abbega nur in etwa der originalen afrikanischen Aussprache entsprechen.

Lumumba-Denkmal in Leipzig

Leipzig Postkolonial: Straßennamen und Denkmäler – Deutschland | Kongo (DRC)

Thementouren

Emma Lee Schätzlein und Leipzig Postkolonial, 2023

Straßennamen dienen der Orientierung im Stadtraum, sie erfüllen aber auch erinnerungspolitische Aufgaben: Durch die Benennung von Straßen nach Personen, Orten oder Ereignissen werden diese geehrt und im kollektiven Gedächtnis der Stadtbevölkerung verankert. Sie sind daher immer auch Ausdruck der Geschichtsschreibung aus Sicht derer, welche die Macht hatten bzw. haben, über Straßennamen zu entscheiden.

Schon seit Jahrzehnten gibt es daher auch zivilgesellschaftlich initiierte Kontroversen um Straßennamen, die kolonialrassistische Akteur*innen oder Taten würdigen. Für diese werden in der Regel eine kritische Kontextualisierung (z.B. durch Erklärungsschilder) und im Extremfall auch eine Umbenennung gefordert, denn koloniale Gewalt und Menschenverachtung sollten im Stadtbild nicht glorifiziert werden.

Das gilt auch für Leipzig, denn auch hier finden sich zahlreiche Straßennamen, welche die Verstrickung der Stadt in den Kolonialrassismus verdeutlichen. Im Unterschied zu westdeutschen Städten wurden viele Straßen mit kolonialem Hintergrund schon während der DDR-Zeit umbenannt. Indem Spuren stillschweigend entfernt wurden, blieb eine umfassende geschichtliche Aufarbeitung des Kolonialismus allerdings auch in Ostdeutschland aus.

Im Fall von Straßenumbenennungen bietet sich zudem die Chance, einen Perspektivwechsel von den Täter*innen hin zu den ehemals Kolonisierten vorzunehmen und dabei Widerstand gegen Kolonialherrschaft und koloniale Ideologien sichtbar zu machen. Dabei bleibt der kolonialgeschichtliche Bezug des Namens erhalten, aber bisher vernachlässigte Akteur*innen und unsichtbare Geschichten treten ins öffentliche Bewusstsein. So wäre ein alternativer Namensgeber für die dem Leipziger Zoogründer gewidmete Ernst-Pinkert-Straße z.B. Hassan Essahas, der 1906 während einer „Menschenschau“ im Leipziger Zoo an einer Lungenentzündung starb.

Liao Huanxing und George Lansbury, zweiter Vorsitzender der britischen Labour Partei, während des Internationalen Kongresses gegen koloniale Unterdrückung und Imperialismus in Brüssel, 1927.

Liao Huanxing [1895-1964] – China | Deutschland | Russland

Lebensgeschichten

Laura Frey, 2024

Der chinesische Kommunist Liao Huanxing wurde 1895 in Hengyang in der Provinz Hunan geboren und trat im Alter von 27 Jahren in die neu gegründete Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) ein. Von 1922 bis 1928 lebte er in Berlin, wo er unter anderem als Sekretär des Vertretungsbüros der Nationalen Volkspartei Chinas – Kuomintang (KMT) arbeitete. Durch seine guten Deutschkenntnisse schloss er schnell Kontakt zu deutschen Kommunist*innen. Liao wurde eine zentrale Figur des Brüsseler Kongresses der Liga gegen koloniale Unterdrückung und arbeitete danach als Leiter der Chinesischen Nachrichtenagentur.

Nachdem ein Streit mit dem kommunistischen Verleger Willi Münzenberg eskalierte, ging er mit seiner Familie nach Moskau. Dort wurde Liao gemeinsam mit seiner Frau, der deutschen Arbeiterin Dora Liao-Dombrowski, während der stalinistischen Verfolgung und Ermordung von als politisch „unzuverlässig“ geltenden Menschen, 1938 verhaftet und zu Strafarbeit in sibirischen Lagern verurteilt. Liao starb 1964 nach seiner Rückkehr nach China.

Sein Leben widmete er als „Berufsrevolutionär“ dem antikolonialen und antiimperialistischen Kampf im Dienste der Kommunistischen Internationale (Komintern). Liaos Biografie steht paradigmatisch für den Aufstieg und Niedergang der internationalen antikolonialen Netzwerke im Berlin der 1920er Jahre.

Mangi Meli, ca. 1898

Mangi Meli [1866-1900] – Tansania | Deutschland

Lebensgeschichten

Konradin Kunze und Gabriel Mzei Orio, 2024

Mangi Meli war ein Chief der Chagga im heutigen Old Moshi am Kilimanjaro in Tansania. Anders als sein Vater Mangi Rindi Mandara wehrte sich Meli gegen den deutschen Herrschaftsanspruch. Zunächst kämpfte er erfolgreich gegen die sogenannte Schutztruppe, musste sich aber letztlich den Kolonialtruppen ergeben. So wurde (Old) Moshi zum deutschen Machtzentrum am Kilimanjaro. Im Jahr 1900 wurde Mangi Meli mit weiteren Chiefs und Anführern erhängt, weil sich diese angeblich gegen die Deutschen verschworen hatten. Das Trauma der Hinrichtung klingt in Tansania bis heute in überlieferten Liedern und Erzählungen nach.

Mit Melis Tod fand die Grausamkeit allerdings kein Ende: Sein Kopf soll abgetrennt und nach Deutschland geschickt worden sein, so erzählte es Melis Frau ihrem Enkel Isaria. Bis heute bemüht sich dieser um eine Rückkehr von Mangi Melis Haupt nach Old Moshi. Akten belegen, dass etliche Gebeine aus Moshi zum Zweck rassistischer Forschung an das damalige Völkerkundemuseum in Berlin geschickt wurden. Tatsächlich konnten 2023 auf Initiative von Nachfahr*innen einige Gebeine der Hingerichteten in Berlin und New York identifiziert werden. Doch der Verbleib von Melis Haupt ist bis heute ungeklärt.

Seit einigen Jahren erinnert in Old Moshi eine Ausstellung von Flinn Works und ein spendenfinanziertes Denkmal an Chief Meli. Seine Geschichte steht beispielhaft für den lokalen Widerstand gegen den Kolonialismus in Deutsch-Ostafrika und für die Brutalität der deutschen Herrschaft. Zudem zeugt sie von andauerndem Unrecht durch die Verschleppung von Ancestral Remains im Namen der Wissenschaft.

(Benjamin Martin) Quane a Dibobe, 1896.

Martin Quane a Dibobe [1876-?] – Kamerun | Deutschland

Lebensgeschichten

Robbie Aitken, 2023

Der Kameruner Quane a Dibobe, besser bekannt als Martin Dibobe, war einer der Bedeutendsten unter den Afrikanern, die vor 1945 in Deutschland politisch aktiv waren. Er kam 1896 als Teilnehmer an der Ersten Deutschen Kolonialausstellung – nichts anderes als ein Menschenzoo - nach Deutschland und ließ sich in Berlin nieder.

Dibobe machte Karriere bei den Verkehrsbetrieben der Stadt. Obwohl einiges über sein Leben unklar bleibt, ist Dibobes Aktivismus mit der beindruckenden, 32 Punkte umfassenden Petition, die er 1919 initiierte und an die deutschen Behörden übergab, am besten belegt. Während Dibobe und die anderen Mitunterzeichner der neuen Republik Treue schworen, forderten sie eine komplette Erneuerung der kolonialen Beziehungen zwischen Deutschland und Kamerun und die Gleichberechtigung von Afrikanern sowohl in Afrika als auch in Deutschland.

Misahöhe

Misahöhe – eine künstlerische Spurensuche deutscher Kolonialherrschaft in Togo – Deutschland | Togo

Thementouren

Gregor Kasper und Musquiqui Chihying, 2024

Missahoé ist eine hügelige Region in der Nähe der Stadt Kpalimé in Togo, die von einem erhöhten Aussichtspunkt einen Panoramablick auf die umliegende Landschaft bietet. Die strategisch günstige geografische Lage machte es zu einem attraktiven Standort für die deutschen Kolonialtruppen, die hier während der Kolonialzeit ihre Einrichtungen aufbauten.

Der Name „Missahoé“ geht auf den deutschen Kolonialbeamten und Kaiserlichen Kommissar von Togo, Jesko von Puttkamer, zurück, der den Ort zu Ehren seiner Geliebten Mária „Misa“ Esterházy de Galántha (1859-1926) „Misahöhe“ taufte. Dieser Name ist nur ein Überbleibsel der Kolonialgeschichte; bewusst oder unbewusst hat sich die Vergangenheit der kolonialen Besatzung tief mit dem Alltagsleben der Einwohner*innen verwoben.

In den letzten Jahren haben wir mit Dorfbewohner*innen, Forschenden, Künstler*innen und Filmschaffenden zusammengearbeitet, Diskussionen und Workshops organisiert und sowohl Dokumentar- als auch Spielfilmaufnahmen produziert. In dieser gemeinsamen Arbeit erforschen wir die fast vergessene Geschichte und versuchen, das Zeitgenössische in Bezug auf das koloniale Erbe zu überdenken. Dieser Beitrag gibt Einblicke in diese Arbeit.

„Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium Aller Creatur“ – der christliche Sendungsbefehl aus Markus 16:15 steht bis heute auf der Fassade des Leipziger Missionswerkes.

Mission und Kolonisation: das Leipziger Missionswerk – Tansania | Deutschland

Institutionen

Emma Schätzlein und Leipzig Postkolonial, 2024

Die Mission und der Kolonialismus sind eng miteinander verbunden. Das zeigten bereits die Missionierungen und gleichzeitigen gewaltsamen Annexionen der katholischen Mächte Spanien und Portugal in Süd- und Mittelamerika im 16. und 17. Jahrhundert sowie etwas später die der protestantischen Königreiche Holland, England und Dänemark.

Um 1800 entwickelte sich eine erstarkende, von England ausgehende, protestantische Missionsbewegung, die auch Deutschland erfasste. Einige deutsche Missionsgesellschaften waren schon deutlich vor der formalen Kolonialisierung in Afrika, Ozeanien und Asien tätig. Mit dem Eintritt des Deutschen Reichs in die Reihe der Kolonialmächte 1884/85 entstanden neue koloniale Missionsvereine. Nach anfänglichem Zögern entschieden sich auch viele der älteren Missionsgesellschaften für eine nationale und koloniale Mission.

Insgesamt ist das Verhältnis von Mission und Kolonialismus komplex, da die Missionierung sehr verschiedene Erscheinungsformen annahm. Missionen schufen durch ihre frühe Präsenz oft die Voraussetzungen und erste Infrastrukturen für die Kolonialisierung. Später profitierten sie in der Regel von den kolonialen Herrschaftsverhältnissen. In ihrer starken ideologischen Verschränkung etablierten die Mission und das Kolonialregime die Vorherrschaft europäischer Werte und sozialer Strukturen in den Kolonien. Sie beuteten kolonisierte Gesellschaften zum Zwecke eigener Bereicherung gezielt aus und verdrängten lokale Systeme oder werteten diese als „heidnisch“ und „wild“ ab.

Auch die Geschichte des Leipziger Missionswerks ist eng mit der Geschichte des deutschen Kolonialismus verbunden.

Sylvie Vernyuy Njobati vor der Vitrine mit Ngonnso im Humboldt Forum Berlin, 2021.

Ngonnso - Die geraubte Mutter – Kamerun | Deutschland

Lebensgeschichten

Marc Sebastian Eils und Sylvie Vernyuy Njobati, 2024

Ngonnso repräsentiert die Identität, Kultur und Geschichte der Nso in Kamerun und in der Disapora. Ngonnso ist die Begründerin der Nso-Dynastie; nach ihrem Tod wurde zu ihrem Gedenken eine hölzerne Statue geschnitzt. Als deutsche Kolonialtruppen in das Nso-Reich einfielen, raubten sie Ngonnso zusammen mit anderen königlichen Insignien aus dem Palast in Kumbo und brachten die Statue in das Ethnologische Museum in Berlin.

Seit die Nso Informationen über ihren Verbleib haben, versuchen sie, Ngonnso in ihre Heimat zurückzubringen. Nach jahrzehntelanger diplomatischer und aktivistischer Arbeit soll Ngonnso nun endlich zurückgegeben werden. Die lang ersehnte Rückkehr nach Kamerun steht jedoch noch aus, weil sich die Verhandlungen zwischen Deutschland und Kamerun auf Regierungsebene in die Länge ziehen.

Die Geschichte von Ngonnso zeugt vom Raub und der Verschleppung von Kulturgütern während der deutschen Kolonialzeit. Sie bringt auch zum Ausdruck, wie von kolonialem Raub betroffene Communities für die Rückkehr ihrer spirituellen und kulturellen Güter kämpfen – und wie langwierig Restitutionsprozesse sein können.

Paul Matjamwo Mavanzilla, ca. 1891

Paul Matjamwo Mavanzilla [1873/75-1912] – Angola | Demokratische Republik Kongo | Deutschland | Südafrika

Lebensgeschichten

Eckhard Möller, 2024

Matjamwo Mavanzilla, nach seiner Taufe: Paul Mavanzilla, war einer der Menschen, die im 19. Jahrhundert als Kinder aus Afrika verschleppt wurden. Sein über zehnjähriger Aufenthalt in Deutschland prägte ihn nachhaltig. Er wurde 1875, nach anderen Quellen 1873, in der Residenz des Königs Puto Muëne Kassongo in der Nähe des Zusammenflusses des Ganga-Flusses mit dem Kwango-River geboren. 1881 brachte der Leiter einer deutschen Kolonialexpedition, Alexander von Mechow, den damals sechs- oder achtjährigen Jungen in seine Gewalt und nahm ihn nach Deutschland mit.

Nach fünf Jahren in Berlin und Leipzig besuchte Mavanzilla Schulen in Gütersloh und Lichtenstern (Württemberg). Danach begann er auf den Missionsschulen in Basel und Barmen (heute: Wuppertal-Barmen) eine Ausbildung zum Missionar, ehe er von der Rheinischen Missionsgesellschaft (RMG) nach Kapstadt geschickt wurde. Dort arbeitete er bis 1912 als Lehrer an einer Schule der RMG. Nach einem schweren Schicksalsschlag brach er psychisch zusammen und starb 1912 im Alter von nicht einmal 40 Jahren.

Die Lebensstationen Mavanzillas lassen sich von Berichten zur „Kwango-Expedition“ des Alexander von Mechow über Dokumente und Briefe im Nachlass seines deutschen Pflegevaters in einem evangelischen Gemeindearchiv bis hin zu Überlieferungen seiner Familie in Südafrika verfolgen.

Inhaltswarnung: Paul Mavanzilla hat in seinem Leben vielfach rassistische Diskriminierungen und mutmaßlich auch sexuelle Gewalt erfahren. Seine Biographie ist nicht ohne diese Erfahrungen wiederzugeben. Wir bitten die Leser*innen, selbst zu entscheiden, ob sie den folgenden Text lesen möchten.

Der Bremer Hafen ist auf vielfältige Art mit dem (deutschen) Kolonialismus verbunden.

Postkoloniale Spuren in Bremens Überseestadt – Deutschland

Stadttouren

Lilli Hasche und Janne Jensen, Redaktion: Katrin Amelang und Silke Betscher, 2024

In den ehemaligen Hafenarealen der Überseestadt ist die koloniale Vergangenheit an unterschiedlichen Orten sichtbar und setzt sich bis heute durch Ungerechtigkeiten im globalen Warenhandel fort. Doch das Selbstverständnis Bremens als traditionelle Handelsstadt wird bislang kaum mit dem kolonialen Fundament des Reichtums in Verbindung gebracht – historische und anhaltende Ausbeutungsverhältnisse bleiben oft unerwähnt. Welchen Vorteil der Kolonialismus und die kolonialen Infrastrukturen für Bremens Handel mit Kolonialwaren darstellte, wird im folgenden Rundgang durch die Bremer Überseestadt deutlich.

Die Schwestern Annie, Regina und Lisa Bruce (v.l.) mit Missionsmitarbeiter*innen in Bremen 1926.

Regina Bruce / Savi de Tové [1900-1991] – Deutschland | Togo

Lebensgeschichten

Merle Bode, 2023

Regina Bruce / Savi de Tové kam im Jahr 1900 als Tochter togolesischer Kolonialmigrant*innen in Wuppertal auf die Welt. Als Kleinkind reiste sie mit ihrer Familie und deren Schaustellunternehmen durch ganz Europa. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie bei Pflegeeltern in Norddeutschland. In Hamburg machte sie schließlich eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete in einem Kinderheim. Hier war sie Teil der Schwarzen Community, die sich gegen anti-Schwarzen Rassismus in der Weimarer Republik wehrte. Mitte der 1920er Jahre verließ sie Deutschland gemeinsam mit ihren zwei Schwestern und zog nach Togo, wo sie nach einem langen Leben im Jahr 1991 verstarb.

Ihre bemerkenswerte Biografie ist Teil der deutsch-togolesischen Kolonial- und Migrationsgeschichte. Regina Bruce / Savi de Tovés Leben erzählt auch von den Handlungsmöglichkeiten und -grenzen einer Schwarzen Frau im 20. Jahrhundert.

Bei ihrer Geburt bekam Regina Bruce / Savi de Tové mehrere, mir nicht bekannte Ewe-Vornamen. Da sie in den Tonaufnahmen über sich selbst als Regina spricht, nutze ich hier diesen Vornamen.

Über 120 Jahre nach der Geburt von Regina Bruce / Savi de Tové versuche ich, ihre Biografie nachzuvollziehen. Was sie selbst gefühlt und gedacht hat, ließ sich in den Quellen oftmals nicht finden. Erst kurz vor Fertigstellung ihrer Lebensgeschichte stieß ich auf Tonaufnahmen, auf denen sie mit 75 Jahren von ihrem Leben bis ungefähr 1930 erzählt. So entstand ein neues Bild, ich konnte Zitate von ihr selbst einfügen und ihre Perspektive in den Vordergrund stellen.

Dennoch ist es wichtig aufzuzeigen, aus welcher Perspektive ich Regina Bruce /Savi de Tovés Biografie verfasse: Als weiße deutsche Frau bin ich selbst von der kolonialen Geschichte geprägt. Auch wenn ich eine rassismuskritische, feministische Perspektive einnehme, speist sich ein Großteil meines Wissens aus eurozentrischen Archiven. Mit einem anderem Wissens- und Erfahrungshintergrund ließe sich Regina Bruces / Savi de Tovés Geschichte sicherlich anders erzählen.

Die Straße Kattunbleiche erinnert an die Wiese, auf der Stoffe für den Dreieckshandel gebleicht wurden. Hier in den Webereien verdiente Heinrich Carl Schimmelmann sein Vermögen.

Spuren des transatlantischen Menschenhandels im Hamburger Stadtraum – Deutschland

Stadttouren

Hannimari Jokinen, 2024

„10 Hamburger Kaufleute bilden 1 Handels-Compagnie“ und heuern „1 großes, wohlmontiertes Schiff“ - so die einleitenden Worte eines Rechenbeispiels im Lehrbuch für angehende Kaufleute, das ab 1686 in sechs Auflagen in Hamburg erschien. Nach der fiktiven Berechnung bringen die Handelsherren „Leinen, Damast, div. Metallwaren“ nach Westafrika. Dort wird die Fracht gegen „Gold, Elephanten-Zähne“ und 202 versklavte Afrikaner*innen verhandelt, die in die Karibik verschifft werden. Auf der von Dänemark kolonisierten Insel St. Thomas werden die Verschleppten gegen Zucker getauscht, der auf den Plantagen von Versklavten produziert wird. Bei Rückkehr nach Hamburg streichen die Kaufleute einen Gewinn von 100 Prozent ein.

Diese beispielhafte Rechnung aus einem lange verwendeten Hamburger Lehrbuch verdeutlicht die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Stadt über viele Jahrzehnte hinweg am Menschheitsverbrechen des transatlantischen Versklavungshandels beteiligte. Auch in Hamburgs Stadtraum lassen sich – bei genauerem Hinsehen – noch heute Infrastrukturen entdecken, die auf Akteur*innen und Warenproduktion im transatlantischen Versklavungshandel hinweisen. Seit Jahrzehnten machen zivilgesellschaftliche Aktivist*innen auf diese vergessenen Spuren aufmerksam.

Der Edison-Phonograph war die erste Maschine, die Schall aufzeichnen und wiedergeben konnte. Der aufgenommene Schall wurde auf Wachswalzen gespeichert.

Stimmen und Musik aus gewaltvollen kolonialen Verhältnissen – Deutschland | Kamerun | Papua-Neuguinea | Tansania | Togo

Thementouren

Mèhèza Kalibani, 2024

Die Kolonialherrschaft zeichnete sich nicht nur durch territoriale Besetzungen aus. Auch die Aneignung von Wissen von den und über die Kolonisierten trug maßgeblich zu Europas kolonialem Projekt bei. So „erforschten“ Kolonisator*innen, Missionar*innen, Ethnolog*innen und Akteur*innen weiterer Disziplinen beispielweise kulturelle und religiöse Artefakte sowie Körperteile der Kolonisierten.

Mit der Erfindung des Phonographen durch den US-amerikanischen Physiker Thomas Edison (1847-1931) konnten ab 1877 Stimmen und Klänge auf Wachswalzen festgehalten und zu einem späteren Zeitpunkt abgespielt werden. So wurden in den nächsten Jahren auch in kolonialen Kontexten Aufnahmen gemacht.
Heute befinden sich in deutschen Tonarchiven historische Aufnahmen, von denen viele in Unrechtskontexten produziert wurden. Ähnlich wie bei der Aneignung ethnographischer Artefakte wurden diese oft als authentische Quellen in wissenschaftlichen Untersuchungen zu Musik, Kultur und Sprache verwendet.

Bis heute werden die gewaltvollen Umstände häufig ignoriert, ebenso, dass die Tonaufnahmen Teil der kolonialen Wissensproduktion waren. Dieser Beitrag thematisiert diese Aufnahmen und ihre Entstehungskontexte.

Projekt Talking Objects

Unexpected Lessons Walk – Berlin-Mitte, Deutschland

Stadttouren

Dekoloniale in Kooperation mit TALKING OBJECTS LAB, 2021

Wo fand die Berliner Afrika-Konferenz Stadt? Wie setzte die Deutsche Bank ihre maßgebliche Beteiligung am Kolonialismus in Szene? Wo befand sich die weltweit größte Sammlung geraubter Vorfahr*innen? Wie blickten Kolonialmigrant*innen aus Kamerun und Ostafrika im Jahr 1919 auf 35 Jahre deutsche Kolonialherrschaft zurück?

Unser Unexpected Lessons Walk führt durch das alte und neue Regierungsviertel Berlins, von wo aus der europäische und deutsche Kolonialismus entscheidende Impulse erhielt. In Berlin lebende Aktivist*innen und Expert*innen aus Namibia, Tansania, den USA und Deutschland sprechen über den Vernichtungswillen der deutschen Kolonialherren, Berlins rassistische Traditionen, skrupellose Sammlungsmanie und antikolonialen Widerstand an prominenten, aber kaum beachteten Orten.

Briefmarke Johanna Gertze, 1999

Urieta Kazahendike / Johanna Gertze [1836-1936] – Namibia | Deutschland

Lebensgeschichten

Eckhard Möller, 2024

1999 ehrte die namibische Post mit einer Briefmarke eine Frau, die über einhundert Jahre zuvor einen wesentlichen Beitrag zur Verschriftlichung der Sprache der Herero geleistet hatte: Johanna Gertze – gebürtig Urieta Kazahendike – war maßgeblich an den Übersetzungsarbeiten eines Missionars der Rheinischen Missionsgesellschaft (RMG) beteiligt, der das Neue Testament und andere christliche Texte aus dem Deutschen in das Otjiherero übertrug.

Zu ihrem Leben gibt es zwei unterschiedliche Sichtweisen. Der pensionierte Missionar Heinrich Vedder veröffentlichte 1936 zwei traktatartige Hefte über ihr Leben, die sich vor allem an Spender*innen der RMG richteten. Das erste Heft ist auf die Taufe Urieta Kazahendikes als Krönung der Missionsarbeit im Hereroland ausgerichtet. Das zweite Heft stellt ihr Leben als fromm und gottgefällig dar – entsprechend der gesellschaftlichen Rolle, die die Mission afrikanischen Frauen zubilligte.

Anders die Sichtweise von Brigitta Lau, der ersten Leiterin des namibischen Staatsarchivs nach der Unabhängigkeit, die Vedders Darstellung dekonstruiert und Johanna Gertze als selbstbewusste Frau charakterisiert. Sie macht deutlich, dass die Erfolge des Missionars Carl Hugo Hahn bei der Übersetzung biblischer und theologischer Texte in erster Linie der Verdienst Johanna Gertzes sind.

Dieser Beitrag geht ihrer Biografie nach. In den Jahren vor ihrer Taufe wird sie mit ihrem Geburtsnamen Urieta Kazahendike genannt, danach mit dem angenommenen christlichen Vornamen Johanna. Nach ihrer Heirat mit Samuel Gertze wird der Nachname Gertze verwendet.

Virendranath Chattopadhyaya

Virendranath Chattopadhyaya [1880-1937] – Indien | Vereinigtes Königreich | Deutschland | Belgien | Frankreich | Schweden | Russland

Lebensgeschichten

Toby Housden, 2024

Virendranath Chattophadyaya, oder „Chatto“, war der Inbegriff eines transnationalen Revolutionärs und widmete sein Leben dem indischen Nationalismus und dem Kampf gegen den britischen Kolonialismus. Sein revolutionärer Eifer führte ihn von seinem Studium in London durch ganz Europa – auf der Suche nach Unterstützung und Verbündeten für die globale Kampagne gegen die britische Herrschaft.

Der zentrale Knotenpunkt seiner europäischen Odyssee war Berlin. Hier war er Mitbegründer des Berliner Komitees, das später als Indisches Unabhängigkeitskomitee bekannt wurde, einer Organisation, die während des Ersten Weltkriegs ein Bündnis mit Deutschland einging, um indische Aufstände zu unterstützen. Während und nach dem Krieg reiste Chatto von seinen Standorten in Berlin und Stockholm aus zu Konferenzen und knüpfte persönliche Kontakte zu anderen sozialistischen und antiimperialistischen Radikalen und Regierungsvertretern. Damit konnte er in ganz Europa Kooperationen aufbauen und wichtige Finanzmittel sichern. Er integrierte weit entfernte Kolonialstandorte wie Singapur, Konstantinopel und Afghanistan in ein globales Netzwerk und verbreitete antibritische Propaganda unter indischen Landsleuten, die sich aufgrund des Militär- und Arbeitskräftebedarfs des Imperiums weltweit angesiedelt hatten.

Chattos Leben wirft ein Licht auf Berlin als antiimperialistisches Zentrum und gibt einen Einblick in das Leben eines kosmopolitischen Revolutionärs, der aus persönlichen Gründen und im Dienste des antikolonialen Kampfes zur Migration gezwungen war. Intellektuell durch sein Lebenswerk inspiriert und gleichzeitig in ständiger Gefahr, erlebte Chatto politische Rückschläge und Veränderungen, während ihn sein Weg ideologisch weiter nach links und geografisch weiter nach Osten führte.
Als sich nach der russischen Revolution der Kommunismus entwickelte, sah er die radikale Linke als den einzigen wahren Verbündeten des antikolonialen Kampf. Er zog nach Moskau, wo er schließlich von Stalin hingerichtet wurde. Er hinterließ jedoch ein Vermächtnis, das in antiimperialistischen Kreisen große Bewunderung erfährt.

Hendrik Witbooi (links), Gouverneur Theodor Leutwein (Mitte) und Samuel Maharero (rechts), ca. 1898/1904, Witbooi und Maharero waren zentrale Akteure im Widerstand gegen die deutsche Besatzung

Völkermord an den OvaHerero und Nama - Orte des Widerstands und des Gedenkens – Deutschland | Namibia | USA

Thementouren

Kavemuii + Manal Murangi, Jephta Uaravaera Nguherimo, Anke Schwarzer, 2024

Von 1884 bis 1915 war das Deutsche Reich Kolonialmacht im heutigen Namibia. Von Beginn an kämpften verschiedene Bevölkerungsgruppen an unterschiedlichen Orten gegen die Kolonisierung und Ausdehnung der Herrschaftsbereiche, während andere versuchten, sich mit der Kolonialmacht zu arrangieren. Im Januar 1904 verteidigten sich Verbände der OvaHerero und OvaMbanderu und wehrten sich gegen den Raub von Land und Vieh sowie die zunehmend rassistische Verwaltung und Justiz. Sie überfielen mehrere Siedler*innenfarmen, töteten dabei rund 140 deutsche Männer, gewährten den Frauen und Kindern aber freies Geleit. Außerdem griffen sie die koloniale Infrastruktur an und zerstörten Eisenbahnanlagen und Telegrafenmasten.

Der Gouverneur und Oberbefehlshaber Lothar von Trotha befahl die Vernichtung der OvaHerero im Oktober 1904 und im April 1905 die der Nama, die sich Ende 1904 ebenfalls dem Widerstand angeschlossen hatten. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber konservative Schätzungen gehen davon aus, dass im Völkermord bis zu 80 Prozent der OvaHerero und etwa die Hälfte der Nama ermordet wurden. Ihr Land wurde von der Kolonialverwaltung enteignet und dann an deutsche Siedler*innen verkauft. Während dieser Zeit verübten die deutschen Kolonialtruppen auch Massaker und Gräueltaten an Tausenden von San und Damara.

Hamburg war und ist eng verflochten mit diesem Völkermord: Hamburger Firmen und Banken investierten in den kolonialen Raubbau und profitierten von der Kolonisierung. Bis heute ehrt die Stadt Kolonialverbrecher. Gleichzeitig gibt es Menschen, die sich für die Aufarbeitung, für eine Entschuldigung und Reparation einsetzen und für eine würdige Erinnerungskultur kämpfen. Der Beitrag versammelt einige dieser wichtigen Orte, Initiativen und Ereignisse in Namibia, Hamburg und den USA.

Bescheinigung des lippischen Hofmarschalls, dass Yonga „als ein freier Mensch behandelt und betrachtet werde“, 1791

Vom Versklavten zum Fürstendiener: Yonga [ca. 1751-1798] – Ghana | Antigua | Barbuda | Großbritannien | Deutschland

Lebensgeschichten

Bärbel Sunderbrink, 2024

Etwa zwölf Millionen afrikanische Menschen wurden seit dem 16. Jahrhundert vor allem in die Karibik, nach Brasilien und in die Südstaaten der USA verschleppt, um auf den dortigen Plantagen Zwangsarbeit zu leisten. Aber auch nach Europa wurden Versklavte gebracht, denn Menschen afrikanischer Herkunft, darunter Kinder und Jugendliche, galten Adelshäusern und wohlhabenden Bürgern als Statussymbole. Im deutschsprachigen Raum lebten zwischen 1600 und 1800 mindestens 380 Schwarze Menschen.

Selten ist die Geschichte eines Versklavten so gut dokumentiert, wie die des aus Westafrika kommenden Yonga, der 1765 als etwa 14-Jähriger in London von einem Deutschen gekauft worden war. Als er 1789 als Leibdiener an den Hof des Fürsten zur Lippe in Detmold kam und dort als freier Mann leben konnte, versuchte er in einem beispiellosen Prozess gegen seinen ehemaligen „Herrn“, seine Versklavung juristisch aufzuarbeiten. Yonga forderte vor allem die Nachzahlung seines Lohns, der Prozess behandelte dabei aber auch die grundsätzliche Frage der Freiheitsrechte eines Menschen.

Lager auf dem Marsch Tabora/Mwanza 1907 mit gesetzter Reichsflagge.

Walther Rathenaus Reisen mit dem Reichskolonialamt in Ost- und Südwest-Afrika – Deutschland | Tansania | Südafrika | Namibia

Thementouren

Anna-Jo Weier und Yann LeGall, 2024

Walther Rathenau (1867-1922), Sohn des AEG-Gründers Emil Rathenau, war ein einflussreicher Industrieller und Politiker der Weimarer Republik. Zeit seines Lebens war er Ziel antisemitischer Hetze, die nach seiner Ernennung zum Außenminister 1922 stärker wurde. Am 24. Juni 1922 wurde er von nationalistisch-antisemitischen Terroristen ermordet.

Ein wenig bekannter Aspekt Rathenaus Biografie ist seine Rolle als wirtschaftlicher Berater des damaligen Staatssekretärs des Reichkolonialamts Bernhard Dernburg. Zusammen reisten sie 1907 und 1908 in die deutschen Kolonien „Deutsch-Ostafrika“, „Deutsch-Südwestafrika“ und in britische Kolonialgebiete.

Rathenau führte auf beiden Reisen Tagebücher, die zusammen mit Korrespondenzen und offiziellen Berichten, die er für den Kanzler Bülow verfasste, Einblicke in seine Wahrnehmung der Menschen, der Landschaften und der Reiseumstände ermöglichen. Er kritisierte zwar die brutale Unterdrückung der lokalen Bevölkerung, sprach sich aber für die wirtschaftliche Ausbeutung der Kolonien und die rassistische Segregation aus.

Dieser Beitrag zeichnet die Stationen dieser Jahre vor dem Ersten Weltkrieg nach.

Kartierung von Windhoek.

Windhoek: Kartierung kolonialer und antikolonialer Denkmäler – Namibia | Deutschland

Thementouren

Hildegard Titus, 2024

Windhoek, die Hauptstadt Namibias, wurde 1840 vom Oorlam-Chief Jonker Afrikaner gegründet. Er benannte sie nach den Winterhoek-Bergen in Tulbagh in Südafrika, in denen er aufwuchs. Doch im Zuge des deutschen Kolonialismus wurde die Geschichte Windhoeks 1890 umgeschrieben: Die Gründung wurde jetzt dem deutschen kolonialen Reichskommissar Curt von François zugeschrieben. Er hatte den Ort besetzt und die Festung "Alte Feste" dort errichtet. Bekräftigt wurde diese Erzählung der deutschen Gründung durch eine Statue, die 1965 errichtet wurde und François als Gründer Windhoeks ehrte.

Diese Geschichte zeigt, wie die Denkmäler Windhoeks die Weltanschauung derjenigen widerspiegeln, die sie in Auftrag gaben - und derer, die sie akzeptierten. In dieser Tour werden unterschiedliche koloniale und antikoloniale Denkmäler in Windhoek beschrieben.

Überreste der Funkstation Kamina, 2024

Zwischen Funkstation und „Umerziehungslager“: Deutscher Kolonialismus in Togo – Togo

Thementouren

Patrick Atakpa Ayele-Yawou, 2024

Kamina liegt etwa sieben Kilometer vom Stadtzentrum Atakpamés entfernt. Zu der Zeit, als Togo eine deutsche Kolonie war, war Kamina ein deutscher Militärfunkstützpunkt, der es Berlin ermöglichte mit der deutschen Flotte im Südatlantik in Funkkontakt zu bleiben.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs befand sich die Telegrafenstation Kamina noch im Bau. Als die Deutschen in Togo von den Franzosen im Osten und den Briten im Westen angegriffen wurden, sprengten sie die Anlagen in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1914, bevor sie sich am 27. August 1914 ergaben.

Die von Zwangsarbeiter*innen aus dem nördlichen Sokode-Distrikt und Versklavten aus dem Wahala-Gefängnis errichtete Telegrafenstation ist ein einzigartiges Zeugnis für den Einfallsreichtum und die harte Arbeit ihrer Erbauer, sowohl Europäer als auch Togolesen.

Machen wir eine Reise in die Vergangenheit! Die Funkstation Kamina in Afrika spielte eine strategisch wichtige Rolle in den damaligen Kommunikationssystemen – unter Einbeziehung und Ausbeutung der lokalen Bevölkerung. Die Radiostation ermöglicht es uns, eine Geschichte zu erzählen, die das koloniale Leben in Kamina und seiner Umgebung prägte, und bis heute prägt.

Die afroamerikanische Bürgerrechtlerin Angela Davis (m.) auf der Ehrentribüne der 10. Weltfestspiele 1973 unter dem Motto „Die Jugend der DDR grüßt die Jugend der Welt“, neben Walentina Tereschkowa sowie Margot und Erich Honecker (v. l. n. r.).

„Genoss*innen of Color“ – Afrikanische Studierende und Vertragsarbeitende in der DDR – Angola | Mosambik | Deutschland

Lebensgeschichten

Maresa Nzinga Pinto, 2025

Schwarze Menschen und Personen of Color werden in der offiziellen Geschichtsschreibung der Deutschen Demokratischen Republik nur selten erwähnt. Dabei war die DDR keine homogene, weiße Gesellschaft.

Neben Schwarzen DDR-Bürger*innen, die in dem „ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschen Boden“ geboren wurden, prägten seit der Staatsgründung auch größere Migrationsbewegungen die Gesellschaft. Migrant*innen kamen auf unterschiedlichsten Wegen in die DDR, die meisten aus Vietnam, Mosambik, Kuba, Polen und Angola.

In der folgenden Tour geht es um die Vertragsarbeitenden und Studierenden aus den postkolonialen Staaten Angola und Mosambik. Anhand ihrer Geschichten wird der Widerspruch zwischen dem antifaschistischen, antirassistischen Selbstverständnis der DDR und den von Rassismus und Paternalismus geprägten Lebensbedingungen der Genoss*innen of Color sichtbar. Zugleich sind ihre Erfahrungen Zeugnisse ausdauernder Bemühungen und widerständiger Praktiken gegen restriktive Migrationspolitiken und Rassismus in der DDR – wie auch im wiedervereinigten Deutschland.

Dieser Beitrag ist mit meiner eigenen Biografie verknüpft: Mein Vater kam selbst 1989 aus Angola für ein Studium in die DDR. Die Perspektiven aus Gesprächen mit ihm, mit Bekannten und mit Aktivist*innen in Angola, Deutschland und Mosambik klingen deshalb in Zitaten und Audios immer wieder durch.

Diese Ölmalerei ist um 1800 entstanden und zeigt eine Zuckerplantage und darauf arbeitende versklavte Menschen in der Frenchman’s Bay auf St. Thomas.

„Made in the Caribbean“: Die Familie Schön – Deutschland | U.S. Virgin Islands

Lebensgeschichten

Annika Bärwald und Sophia Aubin, 2024

Die Geschäfte des Kaufmanns und Reeders August Joseph Schön (1802–1870) waren untrennbar mit Versklavung und Kolonialismus verknüpft. Sein Vermögen machte er vor allem auf der karibischen Insel St. Thomas und in Hamburg. Schön handelte mit Kolonialwaren, kaufte in der Karibik Landgüter und Plantagen, auf denen versklavte Menschen arbeiten mussten. Er bekleidete in Hamburg zahlreiche Ehrenämter, beeinflusste die lokale Wirtschaftspolitik und ließ an der Elbchaussee eine teure Villa errichten.

Sein Sohn erwarb 1872 das Gut Weißensee bei Berlin, das er parzellierte und verkaufte. Mehrere Straßennamen in Berlin-Weißensee erinnern noch heute an die Familie Schön.

Auf St. Thomas spielt die Aufarbeitung der Geschichte der Versklavung eine zentrale Rolle im öffentlichen Leben: Ehrenamtliche der Caribbean Genealogy Library (CGL) betreiben Aufklärungsarbeit und engagieren sich dafür, Familienforschung insbesondere für die Nachkommen versklavter Menschen zugänglich zu machen.

Das fünfjährige Modellprojekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt wurde 2024 beendet +++ Die Projektwebsite wird daher nicht mehr aktualisiert +++ Eine ausführliche Abschlusspublikation zum Projekt ist im September 2025 erschienen +++  Das fünfjährige Modellprojekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt wurde 2024 beendet +++ Die Projektwebsite wird daher nicht mehr aktualisiert +++ Eine ausführliche Abschlusspublikation zum Projekt ist im September 2025 erschienen +++  Das fünfjährige Modellprojekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt wurde 2024 beendet +++ Die Projektwebsite wird daher nicht mehr aktualisiert +++ Eine ausführliche Abschlusspublikation zum Projekt ist im September 2025 erschienen +++ 
Das fünfjährige Modellprojekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt wurde 2024 beendet +++ Die Projektwebsite wird daher nicht mehr aktualisiert +++ Eine ausführliche Abschlusspublikation zum Projekt ist im September 2025 erschienen +++  Das fünfjährige Modellprojekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt wurde 2024 beendet +++ Die Projektwebsite wird daher nicht mehr aktualisiert +++ Eine ausführliche Abschlusspublikation zum Projekt ist im September 2025 erschienen +++  Das fünfjährige Modellprojekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt wurde 2024 beendet +++ Die Projektwebsite wird daher nicht mehr aktualisiert +++ Eine ausführliche Abschlusspublikation zum Projekt ist im September 2025 erschienen +++