[Re]präsentationen

In den Jahren 2021 bis 2024 wird eine Reihe von Ausstellungen realisiert, die sich in unterschiedlichen Stadtbezirken mit Berlins Kolonialgeschichte und ihren Nachwirkungen bis in unsere Gegenwart befassen. Institutionelle Partner der Initiative sind hierbei insbesondere Bezirksmuseen mit ihrer charakteristischen Offenheit für ein lokal verankertes zivilgesellschaftliches Engagement. Bei der Konzeptionierung und Durchführung der Vorhaben sollen die Erfahrungen von Kuratorinnen, Wissenschaftlerinnen und Künstlern mit eigenen biografischen Bezügen zur Kolonialgeschichte in besonderer Weise zur Geltung kommen.

2021: 125 Jahre nach Durchführung der „Ersten Deutschen Kolonial-Ausstellung“ im heutigen Berliner Stadtteil Treptow ist in Kooperation mit dem Museum Treptow die erweiterte Neuauflage der Ausstellung „zurückgeschaut“ geplant. In enger, bislang in anderen Museen kaum erprobter Zusammenarbeit des kuratorischen Teams eines Bezirksmuseums mit diasporischen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren thematisiert die Ausstellung die Geschichte der exotisierenden Zurschaustellung von Menschen aus deutschen Kolonien im Rahmen einer „Völkerschau“, die mit einer Leistungsschau des deutschen Kolonialwesens“ verbunden war. Die historische Relevanz dieses auch in anderen europäischen Ländern verbreiteten Veranstaltungstyps liegt in der systemischen Geschlossenheit, mit der hier Unterhaltungsindustrie, Politik, Wirtschaft, Anthropologie sowie ethnologische Museen zusammengewirkt haben. Das Ausstellungsvorhaben wird in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in Namibia, Tansania und Kamerun ebenso daran arbeiten, individuelle Biografien nachzuzeichnen wie auch Formen des Widerstands sichtbar zu machen, mit denen einzelne der Zurschaugestellten auf die Zumutungen und Gefährdungen im Rahmen der Massenveranstaltung reagierten.

2022: In Kooperation mit dem FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum ist eine Ausstellung zur Migrationsgeschichte der Kolonialmetropole Berlins 1884 - 1918 geplant. Sie zeigt, mit welchen Lebensrealitäten Menschen aus Afrika, Ozeanien oder Asien in einer Stadt konfrontiert waren, die – wie Berlin um die vorletzte Jahrhundertwende – einerseits bereits von globaler Wirtschaftspolitik, andererseits von einem gesteigerten Nationalgefühl geprägt war.

2023: Unter dem Titel Zooming In (AT) werden in Zusammenarbeit mit dem Museum Charlottenburg-Wilmersdorf u.a. Berlins kunsthistorische Sammlungsbestände zum Ausgangspunkt einer Recherche darüber, wie Schwarze Menschen – wie es als Selbstbezeichnung des am Projekt beteiligten Vereins heißt – in höfischen Gemälden des 17.-19. Jahrhunderts abgebildet und gleichzeitig marginalisiert wurden. Die Ausstellung nimmt sie in den Fokus und trägt dazu bei, konkrete Biografien der dargestellten Personen sichtbar werden zu lassen. Zugleich schlägt sie den Bogen zur Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland nach dem Verlust der Kolonien im Ersten Weltkrieg, die durch anhaltende Kolonialität der Gesellschaft und wachsenden Rassismus bestimmt war.

2024: Im Nachgang zur „Ersten Deutschen Kolonialausstellung“ 1896 erfolgte die urbane Inszenierung deutscher Kolonialherrschaft im städtischen Raum, insbesondere im „Afrikanischen Viertel“. Dieser Inszenierung geht die Ausstellung Umkämpfte Räume (AT) in Berlin-Mitte und Berlin-Wedding in doppelter Weise nach: zum einen durch die Rekonstruktion öffentlicher Erinnerungen an die "Begründer" ehemaliger deutscher Kolonien, zum anderen durch die Vergegenwärtigung vielfältiger Widerstandsbewegungen der Kolonisierten, deren Protagonistinnen – so der Beschluss der Bezirksverordneten von Berlin Mitte 2018 – die der Kolonialakteure ersetzen werden.

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